Serie Indizes: DAX & Co.

Serie: Indizes
DAX & Co.

Der Deutsche Aktienindex DAX wird 30 Jahre alt. Aus dem Börsenbarometer ist eine komplette Indexfamilie geworden, die die Entwicklung vieler wichtiger Börsensegmente widerspiegelt.

Kurz vor der „Tagesschau“ reicht ein kurzer Blick auf die Nachrichten von der Frankfurter Börse. Wenn Anja Kohl mitteilt, dass der DAX um 1,5 % gestiegen ist, müssen Anleger in der Regel nicht mehr auf ihre Einzelwerte schauen. Abgesehen von Ausnahmefällen können sie davon ausgehen, dass dieser Börsentag sie nicht ärmer gemacht hat.

DAX is king. Einige Zeit hatte es gedauert, bis sich in Deutschland ein allgemein anerkannter Aktienindex etablieren konnte. Zwar gab es schon seit den 1950er-Jahren Marktbarometer wie den FAZ-, den Commerzbank- oder den WestLB-Index. Aber all diese Indizes konnten sich auf Dauer nicht entscheidend durchsetzen. Das schaffte erst der Deutsche Aktienindex (DAX). Schon kurz nach seiner Einführung im Jahr 1988 war er allgemein anerkannt.

DAX bildet als moderner Index die Börse besser ab

Der DAX enthält genau wie der US-amerikanische Dow Jones 30 Aktien. Aber er ist wesentlich moderner konzipiert und gibt deshalb das Börsengeschehen besser wieder. Vor mehr als 100 Jahren mussten sich die Herren Dow und Jones die Berechnung einfach machen, weil es noch keine Taschenrechner, geschweige denn Computer gab. Beim Dow Jones wurden deshalb einfach alle Aktienkurse addiert und mit einem Gewichtungsfaktor multipliziert. Das gilt bis heute und bedeutet: Die nominal teuerste Einzelaktie hat im Index das höchste Gewicht. Der DAX dagegen ist ein nach Marktkapitalisierung gewichteter Performance- Iindex. Das hört sich schwieriger an, als es ist.

Nach Marktkapitalisierung gewichtet bedeutet: Zur Berechnung des Indexwertes gehen die 30 wichtigsten Aktien gemäß dem Gesamtwert der jeweils frei handelbaren Aktien ein. Kursbewegungen bei DAX-Schwergewichten wie SAP, Siemens oder Bayer haben somit weit mehr Einfluss auf die DAX-Entwicklung als Kurssprünge bei den kleineren Vertretern wie Infineon, Commerzbank oder ProSiebenSat.1.

Wertsteigerungsindex bedeutet: Bei der DAX-Berechnung wird unterstellt, dass Dividenden sofort wieder investiert werden. Bei Kursindizes wie dem Dow Jones 30 oder dem Euro STOXX 50 werden dagegen Dividenden nicht berücksichtigt. Ihr Plus ist deshalb kleiner als beim Wertsteigerungs-DAX. Bei Vergleichen mit solchen Kursindizes sollten Anleger deshalb den Kursindex des DAX 30 nutzen. Die Renditedifferenz fällt dann kleiner aus. Gleichwohl ist sie beim DAX als einem der wertsteigerungsstärksten internationalen Standardwerteindizes der vergangenen Jahre meist weiterhin positiv.

Aus dem DAX wuchs eine komplette Indexfamilie

Der DAX hat in Deutschland eine gesamte Familie begründet. Zwischen den Indizes gibt es wie im Fußball Auf- und Abstieg. Der MDAX umfasst die 50 nächstgrößeren Werte nach dem DAX und bildet somit die „Zweite Liga“ des deutschen Aktienmarktes. Seit der Jahrtausendwende hat sich diese Zweite Liga weit besser entwickelt als der DAX. Im MDAX finden sich viele größere mittelständische Unternehmen. Sie bilden das Rückgrat der deutschen Exportwirtschaft und haben in den vergangenen Jahren glänzende Geschäfte gemacht.

Die dritte deutsche Börsenliga setzt sich aus zwei Segmenten zusammen: Der SDAX enthält 50 Werte, die dem MDAX nach Umsatz und Marktkapitalisierung folgen. Sie stammen in erster Linie aus traditionellen Wirtschaftssegmenten. Oft sind sie als Familienunternehmen alteingesessen und haben irgendwann den Weg an die Börse gesucht.

Eher technologisch ausgerichtete Unternehmen aus den Sektoren der neuen Energien, Software oder Biotechnologie finden sich im TecDAX. Er enthält 30 Unternehmen und gilt als Nachfolger des NEMAX 50. Der TecDAX ist wegen seiner meist noch jungen Unternehmen besonders volatil – mit Ausschlägen nach oben und unten.