Beziehungsinvestoren

Durchblick
Geld oder Liebe?

Marielle und Mike Schäfer

sind verheiratet und betreiben gemeinsam das Finanzblog Beziehungs-Investoren.de. Im Hauptjob ist Marielle (25) Personalentwicklerin in einer Unternehmensberatung; Mike (30) arbeitet als Psychologe an einer Grundschule.

Gemeinsames Hobby: Geld. Klingt erst einmal wenig romantisch. Doch für die Finanzblogger Marielle und Mike Schäfer steht Klarheit bei den Finanzen der Romantik nicht im Wege. Im Gegenteil: Die Ehepartner investieren Zeit in ihre Beziehung – und gemeinsam Geld an der Börse.

compass: Ihr nennt euch Beziehungs-Investoren. Investiert ihr in eure Beziehung? Oder investiert ihr als Paar Geld?
Mike: Beides – die Doppeldeutigkeit ist ja gewollt. Man muss Zeit in jede Beziehung investieren. Und natürlich sollte man sich auch als Paar gemeinsam um die Finanzen kümmern. Für uns jedenfalls ist das Investieren unser gemeinsames Hobby.

compass: Wie kommt man mit Anfang beziehungsweise Ende 20 zum Hobby Geldanlage?
Marielle: Ich habe mit 18 ein Depot überschrieben bekommen. Das war kurz nach der Finanzkrise, die Börsen standen nicht gut, und ich musste mich damit beschäftigen. Das war 2010. Damals habe ich auch Mike kennengelernt und ihm davon erzählt.
Mike: Ich fand das wirklich spannend, und wir haben dann auch sehr schnell begonnen, gemeinsam zu handeln.

compass: Was bedeutet euch Geld?
Marielle: Für mich bedeutet Geld Sicherheit und Freiheit, weil ich mit Geld das machen kann, was ich will. Ich möchte von niemandem abhängig sein, auch nicht von meinem Partner.
Mike: Sicherheiten sind mir nicht so wichtig. Aber Geld gibt mir Möglichkeiten und Freiheit. Ich kann zum Beispiel in den Flitterwochen nach Australien oder Neuseeland fahren und dort viel erleben und erfahren. Ohne Geld könnte ich das nicht.

compass: Ihr teilt eure Erfahrungen in einem Blog. Was treibt euch an?
Marielle: Man kann sehr viel von Erfahrungen anderer profitieren. Durch das Blog ist auch unser Austausch noch intensiver geworden. Wir reden viel über die Themen, über die wir schreiben. Und wir lernen viele interessante Menschen kennen – bei Leseroder Finanzbloggertreffen.

Titelgeschichte Chancen 2018 | Marielle Schäfer

© Dominik Pietsch

„Geldanlage ohne Strategie ist riskant.“

Marielle Schäfer

compass: Was sagen denn eure Freunde zu eurem Hobby?
Marielle (lacht): Viele finden das komisch – für die ist Vorsorge gar kein Thema. Dabei ist gerade nach dem Studium und vor Familiengründung ein guter Zeitpunkt, um zu sparen …
Mike: Wir sind sparsam, brauchen nicht viel zum Leben. Im Schnitt haben wir eine Sparquote von mehr als 50 %. Aber oft fehlt anderen auch das Verständnis dafür, dass wir so viel Zeit dafür investieren.

compass: Ihr arbeitet beide Vollzeit. Woher nehmt ihr die Zeit für das Blog? Seid ihr beruflich nicht ausgelastet?
Mike: Wir haben beide Jobs, die uns viel Spaß machen und auch stark fordern. Aber nach Feierabend Party zu machen, ist nicht so mein Ding. Wir verbringen pro Woche 10 bis 20 Stunden unserer Freizeit mit der Geldanlage und unserem Blog. Das ist kein Stress – es macht uns einfach Spaß, uns mit Finanzen zu beschäftigen.

compass: Wo informiert ihr euch denn über Finanzthemen?
Marielle: Wir lesen viel – Finanzbücher zum Beispiel und auch Finanzblogs von Kollegen. Und wir hören gemeinsam Podcasts. Man findet sehr viele Informationen, wenn man neugierig ist und sich auf die Suche begibt.

Beziehungsinvestoren | Mike Schäfer

© Dominik Pietsch

„Liebe und Geld gehören zusammen.“

Mike Schäfer

compass: Braucht man eine Strategie bei der Geldanlage?
Marielle: Auf jeden Fall. Wer ohne Strategie handelt, ist sehr anfällig für Emotionen und verbrennt auf Dauer Geld. Die Erfahrung jedenfalls haben wir zu Beginn unserer Investitionskarriere gemacht.
Mike: Wir sind dann über einen Podcast auf die Levermann-Strategie aufmerksam geworden und haben sie für uns angepasst. Susan Levermann war früher Fondsmanagerin bei der DWS und hat ein Bewertungssystem für Aktien entwickelt, das sie in ihrem Buch „Der entspannte Weg zum Reichtum“ erklärt. Sie prüft je Aktie zehn Kriterien und vergibt für jedes Kriterium Punkte. Bei ihr bedeutet eine bestimmte Punktzahl ein Kaufsignal. Wir nutzen das Signal dagegen, um tiefer einzusteigen und uns die Bilanzen anzusehen.

compass: Investiert ihr vor allem in Einzelwerten?
Marielle: Wir unterscheiden zwischen langfristiger Altersvorsorge und kurz- bis mittelfristigem Gewinn. Für die Altersvorsorge bespart jeder von uns regelmäßig ETFs. Ich habe aktuell sechs Sparpläne laufen, Mike drei. In Aktien investieren wir dagegen gemeinsam. Wir scannen 600 Aktien nach der beschriebenen Strategie. Bei einem Kaufsignal reiche ich an Mike weiter, er hat mehr Spaß daran, die Bilanzen unter die Lupe zu nehmen.

compass: Gibt es eigentlich Unterschiede zwischen Männern und Frauen bei der Geldanlage?
Mike: 60 bis 65 % unserer Leser sind Männer, und die stellen in ihren Kommentaren eher konkrete Finanzfragen beziehungsweise Fragen zur technischen Umsetzung.
Marielle: Frauen interessieren sich besonders für die Kontostruktur. Wir raten ihnen dazu, in einer Beziehung jeweils ein eigenes und ein gemeinsames Konto zu führen. Und sie möchten natürlich wissen, wie sie Kinder und Karriere vereinbaren können …

compass: Habt ihr da eine Lösung anzubieten?
Marielle: Seitdem wir verheiratet sind, fragen alle, wann wir Kinder bekommen. Undklar wünschen wir uns Kinder. Ich könnte als Personalentwicklerin auch im Homeoffice arbeiten. Aber ehrlich gesagt habe ich Angst, dass ich meine Karrierechancen verspiele, wenn ich jetzt eine Auszeit nehme. Mike dagegen will auf jeden Fall auch zu Hause bleiben und sich um unser Kind kümmern, aber aktuell hat er im Job Anwesenheitspflicht. Die Voraussetzungen sind also noch nicht ideal.

compass: Als Beziehungs-Investoren macht ihr euch dafür stark, dass Paare über das Thema Geld sprechen. Warum?
Mike: Liebe und Geld gehören für uns zusammen. Wer heiratet, stimmt gesetzlichen Regelungen zu und geht auch Haftungsrisiken ein. Man sollte also im Vorfeld klären, wer was will, und entsprechende Lösungen entwickeln.
Marielle: Das wird besonders relevant, wenn Kinder kommen. Wenn ein Partner – meistens die Frau – dann zu Hause bleibt oder nur Teilzeit arbeitet, verzichtet er/sie eventuell auf Karriere und damit auf Einkommen und Rente. Dafür muss es einen Ausgleich geben. Eventuell kann der arbeitende Partner weiter in die Altersvorsorge desjenigen einzahlen, der die Kinder betreut. Das sollte man aber in guten Zeiten besprechen und regeln. Scheitert die Ehe wider Erwarten, ist es für eine faire Lösung meistens zu spät.

© Dominik Pietsch

Beziehungs-Investments
Die Finanzblogger Marielle und Mike Schäfer im Gespräch mit compass Redakteurin Birgit Wetjen.