Volkswagen

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Zwischen Krise und Aufbruch

Volkswagen hat ambitionierte Pläne für die E-Mobilität. Allerdings ist der Dieselskandal noch längst nicht überstanden.

Zwei Jahre nach Ausbruch des Dieselskandals ist Volkswagen der absatzstärkste Automobilkonzern der Welt und mit insgesamt zwölf Marken sehr breit aufgestellt. Für das erste Halbjahr 2017 präsentierte der Konzern gute Geschäftszahlen. Bis 2025 sollen rund 50 Elektromobile angeboten werden. Die VW-Aktie ist nach den Turbulenzen der vergangenen zwei Jahre mit einem KGV knapp sechs sehr niedrig bewertet. Allerdings wird die Aufarbeitung des Skandals um manipulierte Abgastests das Ergebnis des dritten Quartals mit rund 2,5 Milliarden Euro zusätzlich belasten. Auch wegen der jüngsten Kartellvorwürfe kommt VW nicht zur Ruhe. Im Billigsegment fehlt VW zudem ein strategischer Partner. Und bei den Analysten haben die Wolfsburger noch nicht das alte Standing zurückgewonnen.

VW (WKN 766403)

Größter Autokonzern der Welt: Mit 10,3 Millionen Fahrzeugen hat Volkswagen im Krisenjahr 2016 weltweit die meisten Fahrzeuge verkauft. Auch 2017 dürften die Wolfsburger die Spitze behaupten. Mit zwölf Marken und der gemeinsamen Nutzung von Plattformen und Motoren hat der Volkswagen-Konzern einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz.

Gute Geschäftszahlen: Der Volkswagen-Konzern verzeichnet ein erfolgreiches erstes Halbjahr 2017. Der Absatz stieg von 5,1 auf 5,2 Millionen Fahrzeuge, vor allem dank Zuwächsen in Europa, Nord- und Südamerika. Die Umsätze legten überproportional um gut 7 % auf fast 116 Milliarden Euro zu. Das operative Ergebnis erhöhte sich auch aufgrund von Sondereinflüssen um 3,6 Milliarden Euro auf 8,9 Milliarden Euro.

Ambitionierte Elektrooffensive: Bis 2025 will der Volkswagen-Konzern ein führender Anbieter von Elektroautos werden. Neben dem Ausbau von Batterietechnologie und autonomem Fahren sollen bis 2025 rund 50 zusätzliche vollelektrische Modelle eingeführt werden. Die im August vorgestellte Studie zum E-Bulli kam hervorragend an.

Günstige Bewertung: Nach der Krise ist die Volkswagen-Aktie gemessen an den operativen Zahlen günstig bewertet. Das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis für das Jahr 2017 liegt bei sechs. Die Dividenden dürften nach den Kürzungen in den beiden Krisenjahren mittelfristig wieder steigen.

VW (WKN 766403)

Absehbares Ende des Diesels: VW hat durch den Dieselskandal seit 2015 nicht nur seinem Image und den Aktionären schwer geschadet. Die Technologie, die über Jahrzehnte für Umsatz- und Gewinnzuwächse sorgte, steht mittelfristig vor dem Aus. Ab dem Jahr 2040 sollen etwa in Frankreich und Großbritannien keine Diesel-Fahrzeuge mehr zugelassen werden.

Kartellverdacht: Mehrere deutsche Automobilbauer sollen sich seit den 1990er-Jahren in geheimen Arbeitskreisen über Kosten, Zulieferer und auch über Techniken wie die Diesel-Abgasreinigung abgesprochen haben. Es drohen Milliardenstrafen.

Kein Billigauto: Die geplante Kooperation des Volkswagen-Konzerns mit dem indischen Automobilhersteller Tata Motors wurde im August für vorerst gescheitert erklärt. Nach dem Ende der Beteiligung an Suzuki im Jahr 2015 hat der Konzern damit weiterhin keinen Partner für das wachsende Segment der Billigautos.

Skeptische Analysten: Vom Tiefstand hat sich Volkswagen erholt. Aber gut steht der Konzern bei den Analysten noch nicht wieder da. Aktuell halten sich Kauf- (12) und Halteempfehlungen (neun) annähernd die Waage. Immerhin nur noch zwei Experten empfehlen den Verkauf. Mit einem comdirect Analystenscore von 43 % liegt VW aber weiterhin in der unteren DAX-Hälfte.

Aktien unterliegen Kursschwankungen, damit sind Kursverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Beschreibung der Wertpapiere stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Der comdirect Analystenscore berechnet sich aus der Gesamtzahl der Analysten, die diese Aktie bewerten. Die negativen Einschätzungen (Verkaufen) werden von den positiven (Kaufen) subtrahiert und das Ergebnis durch die Gesamtzahl aller Einschätzungen (Kaufen, Halten, Verkaufen) dividiert. Diese Zahl wird mit 100 multipliziert, um den Prozentwert darzustellen. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Sie dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageempfehlung dar. Stand: 18.10.2017, Quelle: comdirect.de