Vermögensaufbau
Licht ins Zinsdunkel

0 % Zinsen und 2 % Inflation: Das ist triste Gegenwart, und Besserung ist kaum in Sicht. Sparer sparen sich dabei ärmer. Wer den Durchblick behalten und Vermögen langfristig mehren will, muss kontrolliert Risiken eingehen – mit ETF-Indexfonds, mit klassischen Investmentfonds und mit Aktien.

Knapp 2 % Inflation wie in diesem Frühjahr sind nicht viel. Sie entsprechen dem Ziel der Europäischen Zentralbank und tun der Wirtschaft nicht weh. In den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts und erst recht in den Jahrzehnten davor lagen die Teuerungsraten in Deutschland bei 5 % und mehr. Aber: Damals gab es auch entsprechend hohe Zinsen. Wer sein Geld in Bundesanleihen oder in den besonders beliebten Bundesschatzbriefen anlegte, bekam in der Regel immer noch etwas mehr als die Inflationsrate. Und diese risikolose Rendite sorgte auf lange Sicht für Vermögen – langsam, aber stetig.

Die Zeiten haben sich geändert. Zins gibt es nicht mehr. Auf Tagesgeldkonten und Sparbüchern liegt er zwischen 0 und 0,5 %. Selbst für zehnjährige Bundesanleihen gibt es kaum mehr. Institutionelle Anleger müssen sogar Strafzinsen zahlen, wenn sie größere Beträge parken. Der comdirect Realzins-Radar hat festgestellt: Gut 34 Milliarden Euro oder fast 900 Euro pro Haushalt werden die Bundesbürger allein 2017 verlieren, weil sie Zinsanlagen unterhalb der Inflation halten. Es könnte noch schlimmer kommen. „Ganz offensichtlich glauben nach 35 Jahren disinflationärer Tendenzen nur noch wenige an ein echtes Comeback der Inflation. Genau dies wird die größte Überraschung der kommenden Jahre sein“, prophezeit Peter E. Huber, Vorstand beim Vermögensverwalter StarCapital.

„Die Anleger müssen umdenken. Risiko wurde lange über die Kennziffer Volatilität definiert. Und damit waren Aktien per se riskanter als Anleihen“, erklärt Volker Schilling, Vorstand der Greiff Capital Management AG. „Jetzt aber dominiert das Langfristrisiko des Nullzinses.“ Das bedeutet: Wenn die Verzinsung über zehn Jahre jeweils um 2 % unter der Inflationsrate liegt, schmilzt das Anlagekapital um fast 20 %. Nach 40 Jahren wäre das Vermögen nur noch rund 45 % wert. Auch wenn die Niedrigzinsen so lange nicht anhalten werden, ist Schilling sicher: „Zinsverluste in den kommenden Jahren können Anleger nur kompensieren, wenn sie mehr Aktienmarktrisiken in Kauf nehmen – ob mit ETF-Indexfonds, mit aktiv gemanagten Fonds oder mit Aktien selbst.“

ETF-Indexfonds

ETFs bilden möglichst exakt einen bestehenden Wertpapierindex nach. Basis des ETF können Aktien-, Renten- oder auch Rohstoffindizes sein. ETFs sind wegen ihrer passiven Anlagestrategie preiswerter als gemanagte Anlagelösungen. Sie sind aufgrund ihrer Konstruktion immer zu 100 % in den Märkten investiert.

ETF-Indexfonds: Einfach mit dem Markt gehen

„Die einfachste Möglichkeit, in eine Vielzahl von Aktien zu investieren, sind ETF-Indexfonds“, sagt Thomas Meyer zu Drewer, Geschäftsführer von ComStage, der ETF-Marke der Commerzbank, „denn sie nehmen dem Anleger die Angst vor der falschen Aktienwahl.“ Mit dem Kauf eines einzigen ETF können Anleger so in einem ganzen Markt investieren, denn jeder ETF bildet möglichst genau einen bestimmten Index ab. Das können Rentenindizes sein, aber auch und besonders die bekannten Aktienbarometer wie der DAX, der Euro STOXX 50, der amerikanische S & P 500 oder auch der MSCI World Index.

ETFs gelten wie gemanagte Investmentfonds als Sondervermögen. Deshalb sind sie bei einer Insolvenz der Fondsgesellschaft ganz oder sehr weitgehend geschützt. Besonders positiv ist für langfristig orientierte Anleger die günstige Preisstruktur der Indexprodukte. Da der Aufwand für die Nachbildung bestehender Indizes gering ist, gibt es Standard-ETFs auf den DAX ohne Ausgabeaufschlag und für jährliche Verwaltungsentgelte von rund 0,1 %. Niedrige Kosten wirken sich gerade bei langen Anlagezeiträumen stark auf die persönliche Rendite aus. Für einen langfristigen Vermögensaufbau sollten Anleger auch mit ETFs möglichst breit streuen. „Eine Aufteilung auf fünf bis zehn ETFs wäre dafür ideal“, erklärt ComStage-Experte Meyer zu Drewer. „Oder der Investor greift zu einem vermögensverwaltenden Produkt.“ Nicht jeder Anlegertraut sich nämlich zu, selbst sein Depot zu strukturieren. Für diese Fälle sind vermögensverwaltende ETF-Indexfonds gedacht. Sie verteilen das Vermögen auf mehrere Aktien- und Renten-ETFs, mitunter auch auf Immobilien und Rohstoffe. Der ComStage-Vermögensstrategie ETF etwa investiert 60 % in Aktien-ETFs, 30 % in Renten-ETFs und 10 % in Rohstoffanlagen. Das kostet den Anleger rund 0,5 % im Jahr und damit weniger als ein aktiv gemanagter Mischfonds oder gar eine professionelle Vermögensverwaltung. Angenehmer Nebeneffekt dieser Rundumversorgung, so Meyer zu Drewer: „Sie bietet durch die Rentenkomponente eine höhere Stabilität als reine Aktien-ETFs. So erleichtert sie konservativen Anlegern den Schwenk zu einer renditeträchtigeren Strategie.“

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„Mit fünf bis zehn ETFs kann man ein Depot struk­turieren - oder mit einem Vermögens­verwaltungs-ETF.“

Thomas Meyer zu Drewer

ComStage

Fonds

Klassische Investmentfonds investieren das Vermögen der Anleger entsprechend dem jeweiligen Fondsprospekt in Wertpapieren wie Aktien oder Anleihen oder auch in mehreren Anlageklassen. Das Fondsmanagement übernimmt die Auswahl der Einzeltitel und steuert auch die Investitionsquote.

Investmentfonds: Auf die Profis setzen

Mit ETFs können Anleger nicht wesentlich schlechter abschneiden als der jeweilige Anlagenmarkt, aber eben auch nicht besser. „Deshalb sind sie zwar ein wertvolles Anlageinstrument, aber wer sich allein auf ETF-Indexfonds beschränkt, verschenkt auch attraktive Renditechancen“, betont Volker Schilling von Greiff Capital Management. „Trotz höherer Gebühren können exzellente Fondsmanager über kurze und auch längere Zeiträume ihre Referenzindizes übertreffen – und damit auch die entsprechenden ETFs.“ Diese These belegt Schilling jährlich mit einer großen Fondsstudie, die er für das Wirtschaftsmagazin „Capital“ durchführt. Dabei filtert er unter mehr als 5.000 Investmentfonds die Top-Fonds heraus. „Sie dürfen keine Indexschmuser sein“, erklärt Schilling. Das heißt: Ihre Auswahl und die Gewichtung der Einzelwerte müssen deutlich von der jeweiligen Benchmark abweichen. „Vor allem aber müssen sie über drei, fünf und zehn Jahre jeweils ihre jeweilige Benchmark übertreffen.“

Der Fondstest hat eine hohe Prognosequalität. Die Top-Manager finden sich meist über Jahre unter den Siegern. Erfolgreich sind die Anlageexperten vor allem in heterogenen Umfeldern, zum Beispiel in Europa. „Hier haben sie viele Möglichkeiten, sich von einer Benchmark wie dem Euro STOXX abzusetzen und sie zu übertreffen“, erläutert Schilling. So schlugen Konsumwerte und Automobilaktien seit der Finanzkrise 2008 Banken und Versorger deutlich. Deutsche Aktien schnitten (abgesehen von Banken und Versorgern) erheblich besser ab als Papiere aus Frankreich, Italien oder Spanien. Wer da als Fondsmanager halbwegs geschickt auswählte, übertraf den Euro STOXX 50. „Diese Top-Fonds rechtfertigen ihre Gebühren mit Aktivität und Performance“, so Schilling.

Auffällig ist auch der hohe Anteil erfolgreicher Small-Cap-Fondsmanager. Rund zwei Drittel von ihnen übertreffen regelmäßig die ohnehin schon durchaus erfolgreichen Nebenwerte-Indizes wie MDAX oder SDAX oder ihre internationalen Brüder. „Bei Small Caps zahlt sich die Expertise der Fondsmanager eindeutig aus“, sagt Volker Schilling. „Hier sind ETFs nur Second-best-Lösungen.“

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„Top-Fonds rechtfertigen ihre Gebühren mit Aktivität und Performance.“

Volker Schilling

Greiff Capital

Aktien

Mit Aktien haben Anleger historisch eine höhere Rendite erzielt als mit Anleihen. Allerdings sind sie gleichzeitig deutlich volatiler als Rentenpapiere. Einzelne Unternehmensanteile schwanken auch stärker als Anteile an Paketlösungen wie ETF-Indexfonds oder klassischen Investmentfonds. Im Gegenzug haben Einzeltitel bei entsprechender Auswahl aber das höchste Renditepotenzial.

Aktien: Top-Renditen mit den besten Einzelwerten

Quelle: MSCI 2017

Mischfonds, globalen Fonds und vor allem US-Fonds fiel es dagegen weit schwerer, ihre Vergleichsindizes zu schlagen. Hier schnitten ETFs fast immer besser ab. Die größten Renditeerfolge erzielen Anleger in der Regel allerdings mit Einzelwerten. So haben in den vergangenen Jahren die niedrigen Zinsen vor allem erfolgreiche Technologieaktien in ganz neue Höhen getrieben. Die fünf Aktien mit der höchsten Marktkapitalisierung kommen inzwischen allesamt aus den USA und aus dem Technologiesektor: Amazon, Facebook, Microsoft, Google und allen voran Apple. Diese Hightech-Highflyer und die ohnehin starke amerikanische Börsenkonjunktur sorgen dafür, dass die USA inzwischen nahezu 60 % der Marktkapitalisierung des MSCI World Index ausmachen, der mehr als 1.600 Aktien der wichtigsten Industrieländer enthält.

Auch steigende Inflationsraten werden am Trend zu Aktien wenig ändern – im Gegenteil. „Bei moderaten Preisanstiegen haben Unternehmenspapiere in der Vergangenheit überdurchschnittlich gut abgeschnitten“, erklärt Markus Steinbeis, Geschäftsführer der Steinbeis & Häcker Vermögensverwaltung. Die Europäische Zentralbank aber werde wegen der hohen Verschuldung nur sehr zögerlich die Zügel anziehen. „Das ist die Basis für weiterhin niedrige Realzinsen. Bei aktuell sogar negativen Realzinsen gibt es kaum eine Alternative zu Aktien substanzstarker Unternehmen.“

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„Bei negativen Realzinsen gibt es kaum Alternativen zu den Aktien substanzstarker Unternehmen. “

Markus Steinbeis

Steinbeis & Häcker

Cost Average

Bei langfristigen Sparplänen profitieren Anleger vom Cost-Average-Effekt. Sie kaufen Anteile an Wertpapieren im Durchschnitt billiger, wenn sie immer dieselbe Sparsumme aufwenden.

Sparpläne: Risiko und Rendite mit Maß steigern

Ohne Aktien und aktienorientierte Produkte ist bei negativen Realzinsen keine Rendite mehr möglich. Professionelle Anleger haben das längst erkannt. „Stiftungen etwa investieren zunehmend in Aktien, um ihren Satzungszweck erfüllen zu können“, erklärt der Kölner Vermögensverwalter und Fondsmanager Winfried Walter. „Auch Vermögensverwalter, die für ihre sicherheitsbetonte Klientel früher Depots nahezu ausschließlich mit Renten bestückten, mischen vermehrt dividendenstarke Aktien bei.“

Was den Profis recht ist, sollte den Privatanlegern nur billig sein. comdirect kämpft seit Jahren für mehr Aktienkultur in Deutschland und macht Kunden das Anlegen mit dem neuen Angebot cominvest noch einmal einfacher. Das Tool berücksichtigt die individuelle Risikobereitschaft und den Anlagehorizont. Solche Faktoren sind wichtig. „Denn trotz der überlegenen Langfristaussichten von Sachwerten sollten risikoscheue Anleger jetzt nicht komplett von Anleihen zu Aktien wechseln“, mahnt Vermögensverwalter Steinbeis zu Augenmaß. „Bei den inzwischen erreichten Rekordnotierungen sind Rückschläge nicht ausgeschlossen.“ Und diese Rückschläge muss man aushalten können. Mangelnde Stetigkeit war in der Vergangenheit oft das größte Problem privater Anleger. Sie stiegen zum falschen Zeitpunkt ein oder aus und verschenkten damit Rendite.

Eine Steigerung der Aktienquote ist aber nicht nur per Einmalanlage möglich. Mit weniger Risiko erhöhen Anleger per Sparplan ihren Anteil renditeträchtiger Anlagen. Im comdirect Wertpapiersparplan können sie schon ab 25 Euro monatlich oder auch in vierteljährlichen Abständen Vermögen aufbauen. Dafür stehen mehr als 350 Fonds, gut 200 ETFs und rund 140 einzelne Aktien zur Verfügung. Bei den 90 Top-Preis ETFs und den 20 Top-Preis Fonds entfallen sogar die Orderentgelte beziehungsweise die Ausgabeaufschläge ganz.

Durch die regelmäßige Anlage reduziert sich für Anleger das Timing-Risiko. Beigleich bleibenden Raten kaufen sie in schwachen Börsenzeiten mehr Anteile als in starken Phasen. So profitieren sie vom Cost-Average-Effekt. „Für lange Zeiträume ist nachgewiesen, dass Anleger mit Sparplänen ansehnliche Renditen erzielen“, erklärt Experte Thomas Meyer zu Drewer.

Hauptsache Aktienmarkt

Langfristig sind Aktienanlagen Rentenpapieren überlegen. Per Sparplan können Anleger ihre Aktienquoten langsam erhöhen. Je nach Kenntnis und Risikobereitschaft fällt die Wahl auf ETF-Indexfonds, klassische Investmentfonds oder einzelne Aktien.

 

ETFs

ETFsWKNRegion
ComStage DAX TR UCITS ETFETF001Deutschland
ComStage MSCI World
TRN UCITS ETF
ETF110Global
ComStage Nasdaq-100
UCITS ETF
ETF011USA
Lyxor UCITS ETF MSCI
Asia-Pacific ex-Japan
LYX0ABAsien/Pazifik
Lyxor UCITS ETF S & P 500LYX0FSUSA

Fonds

FondsWKNRegion
Allianz Wachstum Euroland978984Euro-Land
Magellan C577954Emerging Markets
MainFirst – Germany FundA0RAJNDeutschland
Threadneedle Global TechnologyA1CU1WGlobal
Vontobel Emerging Markets
Equity A USD
972721Emerging Markets

Aktien

AktienWKNRegion
AlphabetA14Y6FUSA
Amazon906866USA
Berkshire HathawayA0YJQ2USA
BMW519000Deutschland
Volkswagen766403Deutschland
Auswahl ETFs: Top-Preis ETFs, bei comdirect im Sparplan ohne Orderentgelt. Auswahl Fonds: Top-Preis Fonds, Bestnote von fünf Morningstar-Sternen und bei comdirect im Sparplan ohne Ausgabeaufschlag. Auswahl Aktien: die fünf Aktien, in denen comdirect Kunden in den Monaten Juli 2016 bis Juni 2017 am stärksten im comdirect Aktiensparplan investierten (alphabetisch geordnet). Für die in der Tabelle und im Text genannten Wertpapiere gilt: Aktien, Fonds und ETFs unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die in ausländischer Währung notieren, bestehen zudem Währungsrisiken. Die Beschreibung der Wertpapiere stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Allein verbindliche Grundlage des Kaufes eines Fonds oder ETF-Indexfonds sind die derzeit gültigen Verkaufsunterlagen des Fonds („Wesentliche Anlegerinformationen“, Verkaufsprospekt sowie Jahres- und Halbjahresberichte, soweit veröffentlicht). Diese Unterlagen, die in deutscher und/oder englischerSprache vorliegen, erhalten Sie auf der Wertpapier-Detailseite unter www.comdirect.de oder direkt beim Emittenten. Stand 16.08.2017; Quelle: comdirect.de

Sparen bringt Verluste

34,2 Milliarden Euro: So viel verlieren die Deutschen allein 2017, weil sie trotz anziehender Inflationsrate auf vermeintlich sicheres Tages- oder Festgeld setzen.