Fluggesellschaften
Höhenflug hält an

Value-Investoren wie Warren Buffett setzen auf eine weitere Erholung bei Fluglinien. 

Warren Buffett ist bekannt für seinen Humor. Und so antwortete er vor Jahren auf einer seiner legendären Hauptversammlungen auf die Frage, warum er keine Aktien von Fluggesellschaften kaufe: „Wie wird man Millionär? Fangen Sie als Milliardär an und kaufen Sie eine Fluggesellschaft.“ Das damalige Bonmot drückte sein Credo aus: Hohe Kosten und niedrige Margen sind kein attraktives Investment.

Inzwischen hat Buffett offenbar umgedacht. Der Value-Investor, der nur Aktien kauft, wenn er sie für günstig hält, ist vor Kurzem gleich bei einigen US-Fluglinien eingestiegen. Auch den Sinneswandel hat er erklärt: In der Vergangenheit habe ein harter Preis- und Verdrängungskampf zahlreiche Pleiten ausgelöst. Genau diese Marktbereinigung sei positiv für die Branche gewesen. Zudem setze eine neue Managergeneration auf eine vernünftigere Preispolitik und treibe den zum Teil ruinösen Preiswettbewerb nicht weiter fort.

Fluglinien verdienen wieder Geld

Die Zahlen geben Buffett recht: In den USA verdienen etliche Fluglinien wieder viel Geld. So rechnet der Branchenverband IATA für das abgelaufene Jahr mit einem Gewinn der globalen Branche von 35,6 Milliarden US-Dollar. „Seit 2014 erreicht die Luftfahrtbranche immer wieder Rekordgewinne – vor allem wegen der niedrigen Kerosinpreise“, erklärt IATA-Chef Alexandre de Juniac. Warren Buffett hat das Risiko gestreut, indem er bei zahlreichen großen US-Fluglinien wie United Continental (WKN A1C6TV), Delta Air Lines (WKN A0MQV8) oder American Airlines (WKN A1W97M) Anteile erworben hat. Zusätzlich ist er beim erfolgreichen Low-Cost-Carrier Southwest Airlines (WKN 862837) mit 7 % als Großaktionär eingestiegen.

Aber nicht nur in den USA hat sich die Lage verbessert. Auch global gesehen gehört die Luftfahrt zu einem Zukunftszweig – weil zunehmend mehr Menschen fliegen. Der Branchenverband IATA erwartet ein massives weltweites Passagierwachstum: Ausgehend von 3,6 Milliarden Passagieren 2016 soll sich das Volumen auf sieben Milliarden bis zum Jahr 2034 annähernd verdoppeln. Dabei sollen die Märkte Asien-Pazifik oder auch Mittlerer Osten jährlich um 5 % zulegen. Größte asiatische Fluglinie ist aktuell China Southern Airlines (WKN A0M4XR) mit knapp 110 Millionen Passagieren, die damit global gesehen den vierten Rang einnimmt. Europa soll in diesem Zeitraum um 3 % wachsen. Positiv sind auch die Prognosen zur Entwicklung in Deutschland. So erwartet das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ausgehend von 105 Millionen Passagieren 2014 einen Anstieg auf bis zu 175 Millionen Passagiere im Jahr 2030. Das entspricht einem jährlichen Wachstum von rund 3,3 %. In Europa ist der Billigflieger Ryanair (WKN A1401Z) nach Fluggastzahlen die Nummer eins. 119 Millionen Passagiere nutzten im Jahr 2016 Ryanair. Ihren Platz wollen die Iren ausbauen und dafür die Flotte stetig erweitern. In Deutschland soll sich der Marktanteil von aktuell 6 bis 7 % auf dann 20 % verdreifachen. Bei der Deutschen Lufthansa (WKN 823212) stehen weitere Kostensenkungen an, um mit dem schlanken Geschäft der Billigflieger mithalten zu können. Zudem setzt die größte deutsche Fluggesellschaft verstärkt auf das Langstreckengeschäft.

Aktien unterliegen Kursschwankungen, damit sind Kursverluste möglich. Bei Anlagen außerhalb des Euro-Raumes bestehen Währungsrisiken. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Beschreibung der Wertpapiere stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung von comdirect dar. Stand: 19.07.2017; Quelle: comdirect.de