Deutsche Börse: Neuer Chef – gebremster Schwung

Deutsche Börse
Neuer Chef, gebremster Schwung

Mit Theodor Weimer will sich die Deutsche Börse als Brexit-Gewinner profilieren. Zuletzt jedoch bremsten die stabilen Börsen das Geschäft.

Die Deutsche Börse ist als eine der weltgrößten Börsenbetreiberinnen breit aufgestellt. Nach dem Chefwechsel ist Ruhe eingekehrt, und das Unternehmen kann vom Brexit profitieren. Die mittelfristigen Umsatz- und Gewinnprognosen sind gut. Seit Jahren profiliert sich die Deutsche Börse als zuverlässiger Dividendenwert. Allerdings hat der vergebliche Kampf um die Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) viel Kraft und letztlich auch den alten Vorstandschef das Amt gekostet. Im abgelaufenen Jahr litt das Unternehmen unter den allzu stabilen Börsen. Die Aktie ist relativ hoch bewertet und für die Mehrzahl der Analysten nur eine Halteposition.

Deutsche Börse (WKN 581005)

Breit aufgestellt: Die Deutsche Börse AG ist als Trägerin der Frankfurter Wertpapierbörse breit aufgestellt. Mit der vollelektronischen Handelsplattform Xetra und der Börse Frankfurt betreibt sie einen der umsatzstärksten Kassamärkte weltweit. Eurex zählt zu den weltweit führenden Börsen im Handel von Terminkontrakten wie Futures und Optionen. Clearstream ist für die Abwicklung der Börsengeschäfte verantwortlich.

Profitieren vom Brexit: Die Ernennung des neuen Vorstandschefs Theodor Weimer hat bei der Deutschen Börse wieder Ruhe ins Geschäft gebracht. Er will mittelfristig von bereits eingeleiteten Wachstumsinitiativen profitieren und vor allem die durch den Brexit geschwächte Position des ehemaligen Wunschpartners LSE nutzen.

Gute Aussichten: Für 2018 und 2019 erwartet die Deutsche Börse zusätzlichen Schwung, insbesondere wenn die Börsen wieder volatiler werden. Das Unternehmen rechnet mit einem Anstieg der Nettoerlöse von 5 % bis 10 % pro Jahr. Der Überschuss soll ohne Sondereffekte sogar überproportional um 10 % bis 15 % zulegen.

Konstante Ausschüttungen: Die Deutsche Börse gehört seit vielen Jahren zu den zuverlässigen Dividendenbringern im DAX. Seit 2014 zog die Ausschüttung von 2,10 Euro auf 2,45 Euro an, die in diesem Frühjahr ausgezahlt werden sollen. Trotz des zuletzt stark gestiegenen Aktienkurses liegt die Dividendenrendite bei rund 2,5 %.

Deutsche Börse (WKN 581005)

Gescheiterte Fusion: Zum wiederholten Male ist die Fusion mit der London Stock Exchange im vergangenen Frühjahr gescheitert. Die Vorbereitungen für diese Fusion haben in den vergangenen Jahren viel Energie absorbiert. Andere Projekte wurden verschoben oder storniert und müssen jetzt zügig nachgeholt werden.

Zu stabile Kurse: Stabile Kurse erfreuen Anleger, sind aber nicht gut für Börsenbetreiber. Denn die Volatilität ist einer der Haupttreiber der Handelsaktivität auf Kassa- und Terminmärkten. Die Nettoerlöse stiegen im Gesamtjahr um 3 % auf 2,46 Milliarden Euro. Der um Sondereffekte bereinigte Überschuss lag mit einem Plus von 6 % gegenüber 2016 deutlich unter der ursprünglichen Zielmarke von 10-15 %.

Hohe Bewertung: Nach den Kurssteigerungen der vergangenen Jahre liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Aktie der Deutschen Böse 2018 über 20. Darin ist Zukunftsoptimismus enthalten, den das Unternehmen durch stärkere Umsatz- und Gewinnsteigerungen rechtfertigen muss.

Skeptische Analysten: Durchwachsene Noten gibt es für die Deutsche Börse aktuell von den Experten. Von 21 Analysten geben zurzeit nur sieben eine Kaufempfehlung ab. Eine Mehrheit von 14 urteilt „Halten“. Auch wenn es keine einzige Verkaufsempfehlung gibt, notiert der comdirect Analystenscore nur bei unterdurchschnittlichen 33 %.

Aktien unterliegen Kursschwankungen, damit sind Kursverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Beschreibung der Wertpapiere stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Der comdirect Analystenscore berechnet sich aus der Gesamtzahl der Analysten, die diese Aktie bewerten. Die negativen Einschätzungen (Verkaufen) werden von den positiven (Kaufen) subtrahiert und das Ergebnis durch die Gesamtzahl aller Einschätzungen (Kaufen, Halten, Verkaufen) dividiert. Diese Zahl wird mit 100 multipliziert, um den Prozentwert darzustellen. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Sie dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageempfehlung dar. Stand: 21.02.2018, Quelle: comdirect.de