Deep-Express-Zertifikate
Rendite trotz Schlinger­kurs

Deep-Express-Zertifikate bieten Risikoschutz. Auf angemessene Renditen müssen ihre Besitzer in der Regel dennoch nicht verzichten – auch wenn es mit der Rückzahlung einmal etwas länger dauern kann.

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Im Zweifel entscheiden sich Sparer in Deutschland immer für die Anlagelösung, die die größere Sicherheit verspricht. Wenn dann auch noch die Renditeerwartungen stimmen: umso besser. Kein Wunder also, dass Express-Zertifikate unter den derivativen Anlageprodukten ohne vollständigen Kapitalschutz inzwischen zur beliebtesten Kategorie aufgestiegen sind. Denn mit diesen Papieren stehen die Chancen gut, dass Anleger nicht nur das investierte Kapital, sondern auch eine attraktive Verzinsung ausbezahlt bekommen.

So schätzt Anouch Wilhelms, Derivatespezialist bei der Commerzbank, dass mehr als 90 % aller seit 2005 von der Commerzbank emittierten und bis heute fällig gewordenen Express-Zertifikate zu mindestens 100 % zurückgezahlt worden seien. „Dabei ist dieser Wert umso bemerkenswerter, als der besagte Zeitraum natürlich auch die Finanzkrise 2008/2009 umfasst, in der ein Großteil der Basiswerte zum Teil dramatisch an Wert verloren hat“, urteilt Wilhelms weiter. Begründet ist der Anlageerfolg naturgemäß in der Auszahlungsstruktur der Produkte, die – je nach Risikobereitschaft – mit unterschiedlichen Risikopuffern ausgestattet sind.

Sinkende Rückzahlungs­anforderungen

Ein Beispiel: Mit einem Express-Zertifikat der Deutschen Bank auf den Euro STOXX 50 (WKN DB9UBJ) erhalten Anleger das eingezahlte Kapital sowie einen Kupon in Höhe von 5,6 % ausbezahlt, wenn der Index am 10.07.2018 mindestens bei 3.464,48 Punkten notiert. Diese 3.464,48 Punkte entsprechen dem Indexstand am Tag der Emission des Zertifikates. Bei einem Briefkurs von aktuell 100,62 Euro (Stand 16.08.2017) ergäbe sich daraus eine aufs Jahr umgerechnete Rendite von 5,4 %.

Notiert der wichtigste europäische Aktienmarktrepräsentant an diesem Tag dagegen unter dem genannten Wert, verlängert sich die Laufzeit des Papiers automatisch um weitere zwölf Monate, bevor es zu einem erneuten Vergleich kommt. Dabei reduziert sich die sogenannte Tilgungsschwelle ausgehend vom Startwert Jahr für Jahr um 5 % oder 173 Punkte. Am 10.07.2019 ist somit ein Indexstand von 3.291,26 Zählern relevant. Wird er erreicht oder überschritten, kommt es zu einer Rückzahlung – nun allerdings zuzüglich des zweifachen Kupons, also 11,2 %.

Anderenfalls setzt sich das Spiel von Expresstermin zu Expresstermin weiter fort. Liegt der Kurs des Basiswertes auch am letzten Vergleichsdatum (08.07.2022) unter der Tilgungsschwelle von dann lediglich noch 2.771,59 Punkten, gehen Anleger bezüglich der Zinsen leer aus. Zu Verlusten kommt es aber nur, wenn der Index an besagtem Tag auch unter der Sicherheitsbarriere von 2.251,92 Punkten notiert. Dann orientiert sich die Rückzahlungshöhe an der Wertentwicklung des Euro STOXX 50 seit Emission des Zertifikats. In diesem Fall – aber auch nur in diesem Fall – erleidet der Anleger deutliche Verluste von mindestens 35 %.

Starker Sicherheitspuffer

Damit es dazu kommt, müssten europäische Bluechips in den kommenden fünf Jahren per saldo über 35 % an Wert verlieren, und der Index müsste damit in Regionen fallen, in denen er sich zuletzt während der Finanzkrise 2009 befand. Aufgrund dieses großen Abstandes zwischen dem aktuellen Kurs des Basiswertes und der Sicherheitsbarriere werden entsprechende Papiere auch als Deep-Express-Zertifikate bezeichnet.

Wem aber selbst das beschriebene Risiko noch als zu hoch erscheint, der kann die Barriere, bei der es am Laufzeitende zu einer Rückzahlung zu 100 % kommt, durchaus auch noch tiefer wählen. Bei einem Deep-Express-Zertifikat mit Endfälligkeit am 17.03.2023 (WKN LB1E8H) liegt die Schwelle sogar bei nur 1.702 Punkten. Hinzu kommt, dass bei diesem Papier der genannte Wert am Laufzeitende auch für die Zinszahlungen maßgeblich ist. Aus heutiger Sicht kann sich der Index in den kommenden knapp sechs Jahren somit mehr als halbieren, ohne dass die Besitzer des Papiers auf die vollständige Rückzahlung nebst Zinsen von insgesamt 19,2 % (sechs Kupons à 3,2 %) verzichten müssten. Eine derart schlechte Sechs-Jahres-Periode hat es beim wichtigsten europäischen Aktienmarktbarometer übrigens noch nie gegeben (Indexrückrechnung bis 1986, jeweils Jahresendstände). Und sollte der Euro STOXX 50 zwischenzeitlich doch einmal unter die genannte Marke fallen, spielt das für Anleger keine Rolle, denn ausschließlich der Indexstand zu den jeweiligen Expressterminen oder am Laufzeitende des Zertifikates entscheidet über den Rückzahlungswert.

Express- und Deep-Express-Zertifikate unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Bei Express- und Deep-Express-Zertifikaten als Schuldverschreibungen besteht zudem ein Emittentenrisiko. Bei Zahlungsunfähigkeit des Emittenten können Verluste bis zum Totalverlust eintreten. Die Beschreibung der Wertpapiere stellt keine Kauf oder Verkaufsempfehlung dar. Stand 16.08.2017; Quelle: comdirect.de