Osteuropa
Da wächst was!

Ob Polen, Rumänien, Ungarn oder Tschechien: Die Wirtschaft in den osteuropäischen EU-Staaten blüht – allen politischen Krisen zum Trotz.

Die osteuropäischen EU-Staaten wachsen dynamischer als Rest-Europa. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet für Rumänien ein Plus des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 4,2 % im laufenden Jahr. In Tschechien soll es immerhin um 2,8 % nach oben gehen. Und auch die beiden politischen Sorgenkinder Polen und Ungarn überzeugen aus makroökonomischer Sicht mit erwarteten Wachstumsraten von 3,4 % bzw. 2,9 %. Das spiegelt sich in den Unternehmensergebnissen. Die Bluechips aus diesen Ländern wollen ihre Erträge im laufenden Jahr im Schnitt im prozentual zweistelligen Bereich steigern.

Gegenwind könnte die angekündigte Justizreform der nationalkonservativen Regierung Polens bringen, die bei den Partnern der EU für Ärger sorgt. Bisher aber kann das das Wachstumstempo ebenso wenig bremsen wie der versuchte Demokratieabbau der rechtsnationalen Regierung Ungarns.

TT Osteuropa

„Die osteuropäischen Aktienmärkte der EU-Mitgliedsländer weisen im Vergleich zum Rest von Europa eine attraktive Fundamentalbewertung auf.“

Amalia Ripfl

Fondsmanagerin RT Osteuropa Aktienfonds

Starke Konjunktur: Noch immer haben die EU-Länder Osteuropas einen gewissen Nachholbedarf beim Lebensstandard im Vergleich zu den westlichen EU-Nationen. Da die Exportwirtschaft gut läuft, die Löhne in den östlichen Regionen etwas deutlicher anziehen und gleichzeitig die Energiepreise (Benzin, Heizung) fallen, steht den Bürgern aktuell mehr Geld für den Konsum zur Verfügung. Im Einklang mit weiterhin hohen Investitionen ausländischer Investoren und den EU-Fördermaßnahmen entwickelt sich die Region daher derzeit sehr gut.

Stabile Währung: Von den osteuropäischen EU-Staaten setzen die großen Volkswirtschaften weiter auf ihre eigenen Währungen. Eine Ausnahme bildet lediglich die Slowakei, die schon im Jahr 2009 den Euro als Zahlungsmittel eingeführt hat. Währungen wie Polnischer Zloty, Rumänischer Leu, Ungarischer Forint und Tschechische Krone entwickelten sich zuletzt stabil zum Euro. Da allerdings in den Ländern noch mit niedrigeren Lohnniveaus produziert wird, verfügen die Unternehmen dieser Staaten über gute Exportchancen. Wichtigste Exportnation für die Slowakei, Polen, Rumänien und Ungarn ist übrigens Deutschland, so Berechnungen von Metzler Asset Management.

Geringe Staatsverschuldung: Die EU-Länder Osteuropas weisen eine überschaubare und kalkulierbare Staatsverschuldung auf. Während aktuelle Berechnungen in der EU von einem durchschnittlichen Prozentsatz von 88 % des BIP ausgehen, liegen die Verschuldungsgrade für Ungarn (72,6 %), Polen (54,6 %), Rumänien (39,3 %) und Tschechien (36,2 %) jeweils deutlich tiefer. Damit liegt der Prozentsatz in drei der vier Länder sogar unter dem Wert von Deutschland, das mit 65,8 % des BIP verschuldet ist, so aktuelle Berechnungen der Europäischen Kommission.

Politische Risiken: Vor allem die Regierungen in Polen und Ungarn sorgten zuletzt in der Außendarstellung für ein negatives Bild. Der Streit mit der EU dürfte sich verschärfen, sofern die strittige Justizreform tatsächlich im vollen Umfang umgesetzt wird. Und auch die Entwicklung in Ungarn kann zu einem Umdenken bei der EU sorgen. Wie weit die beiden EU-Staaten gehen würden, ist fraglich, weil die starke Staatengemeinschaft vor allem aufseiten der Bevölkerung sehr geschätzt wird.

Fachkräfte-Mangel: Nach dem Ende des Kommunismus hatten viele Länder Osteuropas unter einer enormen Abwanderung zu leiden. Noch heute zieht es viele gut ausgebildete Fachkräfte in die wirtschaftlich stärkeren Länder Westeuropas. Dies führt beispielsweise in Tschechien inzwischen dazu, dass nahezu Vollbeschäftigung herrscht. Schon jetzt fordern die Unternehmen von der Politik eine zuwanderungsfreundliche Migrationsregelung.

Unter den aktiven Osteuropa-Fonds fällt der RT Osteuropa (WKN A0HGDL) der Erste Asset Management auf, da er ausschließlich auf Aktien aus den Mitgliedsländern der EU setzt. Fondsmanagerin Amalia Ripfl, die den Fonds seit 2009 verwaltet, vermeidet damit etwaige zusätzliche Risiken, da keine Papiere aus Ländern wie dem von den Rohstoffpreisen abhängigen Russland oder der politisch aktuell höchst unsicheren Türkei enthalten sind. Vielmehr fokussiert sich ihre Anlage auf ausgewählte Finanzwerte, die knapp die Hälfte des Portfolios ausmachen. Hier sieht Ripfl aktuell eine dynamische Ertragsverbesserung. Hinzu kommen vor allem noch Papiere aus dem Energiesektor sowie Versorger- und Telekommunikationsaktien.

Eine ähnliche Fokussierung ist auch bei einem ETF von Lyxor vorhanden, der den von der Wiener Börse berechneten CECE Net Total Return-Index abbildet. Dieser enthält aktuell die 28 liquidesten Titel aus Tschechien, Ungarn und Polen. Die Gewichtung richtet sich nach der Marktkapitalisierung. Mit Blick auf das starke Osteuropa-Engagement der Erste Group ist auch deren Aktie im Index (und somit im Fonds) enthalten. Dank der hohen Marktkapitalisierung ist dieser Titel zudem das Schwergewicht, welches es auf einen Anteil von rund 15 % bringt. Auch aus diesem Grund sind Finanzwerte mit knapp 60 % erneut die am stärksten gewichtete Branche des Fonds, gefolgt von Energie- und Versorgerwerten.

 NameGattungWKN
1.RT Osteuropa AktienfondsFondsA0HGDL
2.DWS Osteuropa FondsFonds974527
3.Lyxor Eastern Europe (CECE NTR EUR)ETFA0F6BV
4.iShares STOXX EU Enlarged 15 (DE) ETFA0D8Q1

Bei Fondsmanagerin Amalia Ripfl befinden sich unter den Top-Positionen zahlreiche Finanztitel. Dazu zählen mit der polnischen PKO Bank Polski, der ungarischen OTP Bank und der tschechischen Komercni Banka jeweils in ihrem Heimatland führende Finanzinstitute. Auch die österreichische Erste Group gehört zu den größten Portfolio-Positionen, da sich das Haus sehr stark in Osteuropa engagiert. Außerhalb des Bankensektors findet mit der ungarischen Richter Gedeon das bekannteste Biotechnologie- und Pharmaunternehmen aus Osteuropa bei der Fondsmanagerin gefallen. Dies gilt auch für das größte polnische Bergbau-Unternehmen KGHM Polska Miedz.

 AktieBrancheWKN
1.PKO Bank PolskiBankA0DLEV
2.OTP BankBank896068
3.Komercni BankaBank888040
4.Erste Group BankBank909943
5.Richter GedeonPharmaA1W16N
6.KGHM Polska MiedzRohstoffe908063
Disclaimer: Aktien, Investmentfonds und ETF-Indexfonds unterliegen Kursschwankungen, und damit sind Kursverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Allein verbindliche Grundlage des Kaufs eines Fonds/ETF sind die derzeit gültigen Verkaufsunterlagen des Fonds („Wesentliche Anlegerinformationen“, Verkaufsprospekt sowie Jahres- und Halbjahresberichte, soweit veröffentlicht). Diese Unterlagen, die in englischer und/oder deutscher Sprache vorliegen, erhalten Sie auf der Wertpapier-Detailseite unter www.comdirect.de oder direkt beim Emittenten. Die Beschreibung der Wertpapiere stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung von Erste Asset Management, DWS, Lyxor, iShares oder comdirect dar. Stand: 16.08.2017; Quelle: comdirect.de