Ausblick
China zwischen Boom und Blase

Immobilienblase, Anstieg der Schulden, Wachstumsschwäche: Chinas Wirtschaft birgt Risiken. Auf der anderen Seite bietet die Transformation auch Chancen. compass sagt, wo sie liegen.

Es war still geworden um China – zumindest aus Anlegersicht. 2008 noch, als die Immobilien- und Finanzkrise die Volkswirtschaften in den USA und Europa in die Knie zu zwingen drohte, wurde das Milliardenreich als Rettungsanker der Weltwirtschaft gefeiert. Ab Mitte 2014 dann zogen die Kurse in Hongkong nach oben, als gäbe es kein Morgen. Es folgte ein Crash, der die Börsen weltweit zum Beben brachte. Chinesische Aktien verschwanden von den Kaufzetteln der Anleger, Brexit und der neue US-Präsident beherrschten fortan die Medien. Hat China für Anleger seine Attraktivität verloren?

Tatsächlich steht China vor großen Herausforderungen. Billig produzieren und exportieren: Die Erfolgsformel, die dem Land über Jahre zweistellige Wachstumsraten ermöglichte, geht nicht mehr auf. Die Lohnkosten sind gestiegen, die Exporte gehen zurück, und das Wachstum schwächelt. Ziel der Regierung ist es, die Exportabhängigkeit zu reduzieren und den Binnenmarkt zu stärken sowie vom Billigexporteur zum Hightech-Produzenten zu werden. Doch der Umbruch ist schwierig. Um die Wirtschaft zu stärken, hat die Regierung riesige Konjunkturprogramme aufgelegt. Geld floss aber vor allem in den Bausektor, der Überkapazitäten produziert, und in die wenig effizienten staatseigenen Großkonzerne. Kredite wurden leichtfertig vergeben. Als Folge der lockeren Kreditvergabe ist die Verschuldung des Privatsektors seit Beginn der globalen Finanzkrise von 120 % auf 200 % des Bruttoinlandsproduktes gestiegen. Zu viel für die Ratingagentur Moody’s: Sie hat die Bonitätsnote für China um eine Stufe gesenkt.

Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Verluste möglich. Bei Wertpapieren, die in ausländischer Währung notieren, bestehen zu dem Währungsrisiken. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Beschreibung der Wertpapiere stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Allein verbindliche Grundlage des Aktien-Kaufes sind die derzeit gültigen Verkaufsunterlagen („Wesentliche Anlegerinformationen“, Verkaufsprospekt sowie Jahres- und Halbjahresberichte, soweit veröffentlicht). Diese Unterlagen, die in deutscher/englischer Sprache vorliegen, erhalten Sie auf der Wertpapier-Detailseite unter www.comdirect.de oder direkt beim Emittenten. Es handelt sich um die Angabe der Bruttowertentwicklung (siehe typisierende Modellrechnung im Impressum). Referenzzeitraum 20.09.2007 bis 20.09.2017. Stand 20.09.2017; Quelle: comdirect.de

Chancen nicht übersehen

Die hohe Verschuldung des Unternehmenssektors schüre zwar Sorgen um die Stabilität des Finanzsystems. „Solange aber die Verschuldung überwiegend in Inlandswährung erfolgt, kann die Notenbank das Finanzsystem stabilisieren und wird dies auch tun“, ist Janis Hübner, Schwellenländerexperte der DekaBank, überzeugt. Auch der Umbau der Wirtschaft komme voran. „Der Dienstleistungssektor steuert mittlerweile über 50 % zur Wirtschaftsleistung bei.“

Nach Plänen der Regierung soll die Wirtschaft bis 2020 im Schnitt um 6,5 % wachsen. In den ersten beiden Quartalen hat China die Zielmarke mit einem Plus des Bruttoinlandsproduktes von 6,9 % sogar übertroffen. „China hat das Potenzial, über die mittlere Sicht sein kräftiges Wachstum zu halten", urteilen Ökonomen des Internationalen Währungsfonds in ihrem Länderbericht. Doch klar ist: Die Jahre des zweistelligen Wachstums sind endgültig vorbei. Kein Wunder, denn die Ausgangsbasis hat sich deutlich erhöht. Um es anschaulich zu machen: Seit 1995 wuchs die deutsche Wirtschaft um den Faktor 1,35. Chinas Wirtschaft dagegen hat um den Faktor 16 zugelegt. Das verfügbare Einkommen der Chinesen hat sich seit 2007 mehr als verdoppelt. Nach Prognosen der chinesischen Statistikbehörde werden die Konsumausgaben bis 2025 von 3,3 Billionen US-Dollar (2015) auf dann 11 Billionen US-Dollar anziehen. „Chinesische Unternehmen haben einen Megamarkt vor der Haustür, von dem gute Unternehmen profitieren. Wer sich ausschließlich auf die Risiken fokussiert, übersieht viele Chancen“, ist Christian Hofmann, Berater der FIVV AG, die bereits 2006 einen China-Fonds (WKN A0JELL) aufgelegt hatte, überzeugt.

Innovations­offensive

Das chinesische Google (Alphabet) (WKN A14Y6F)  ist der Suchmaschinenanbieter Baidu (WKN A0F5DE), der auch Streaming-Dienste anbietet und im Bereich des autonomen Fahrens aktiv ist. Der Hausgerätehersteller Midea hat sich mit der Übernahme des deutschen Robotikspezialisten Kuka Know-how für zukünftige Wachstumsfelder ins Haus geholt. Auch in der E-Mobilität drängen chinesische Anbieter wie BYD (WKN A0M4W9) in die Poleposition im Massenmarkt. Von schierer Größe profitiert der chinesische Internetriese Tencent (WKN A1138D), ein Plattformanbieter, der über seine sozialen Netzwerke Online-Spiele und Video-Streaming- Dienste vermarktet. Die Tencent-App Wechat, eine Mischung aus Whatsapp und Facebook (WKN A1JWVX) mit zahlreichen Zusatzfunktionen für E-Commerce, Taxirufdienste oder mobiles Bezahlen, hat die Zahl der aktiven Nutzer binnen fünf Jahren von 50 Millionen auf knapp 900 Millionen erhöht. Und die Werbeeinnahmen sprudeln: Die Umsätze im Online-Geschäft kletterten im vergangenen Jahr um 46 % auf knapp 3,7 Milliarden Euro.

Einen Megatrend sieht Christian Hofmann auch im Bereich Bildung. „Das Bildungssystem beginnt, sich für private Bildungseinrichtungen zu öffnen, das Wachstumspotenzial ist immens“, so der China-Kenner. Zu den großen Anbietern zählen die in den USA gelistete New Oriental (WKN A0KFDH) oder die TAL Education Group (WKN A1C7VE).

„Obwohl Infrastrukturinvestitionen noch immer einen wichtigen Beitrag zur Stützung der Konjunktur liefern, kommt der angestrebte Umbau der Wirtschaft voran“, sagt Deka-Ökonom Hübner. Risiken bleiben – doch die sieht FIVV-Berater Hofmann vor allem bei den großen Staatsunternehmen der Rohstoff- oder Schiffsindustrie. Er rät Anlegern, gezielt chinesische Aktien beizumischen. „Die sind im Schnitt günstig bewertet, bieten eine attraktive Dividendenrendite von gut 3,5 ­%, und gemessen am MSCI-Weltindex sind chinesische Aktien mit einem Anteil von gut 1 % in globalen Portfolios stark unterrepräsentiert.“

ETFs und Fonds

Per ETF investieren Anleger kostengünstig und breit gestreut im Markt. Aktives Fondsmanagement kann profitable Wachstumsbranchen übergewichten.

 

 NameWKNArt
1.ComStage HSI UCITS ETF – HKDETF022Top-Preis ETF
2.ComStage HSCEI UCITS ETF – HKDETF023Top-Preis ETF
3.Lyxor UCITS ETF China Enterprise HSCEIA0F5BWTop-Preis ETF
4.ComStage FTSE China A50 UCITS ETF – USDETF024Top-Preis ETF
5.iShares Dow Jones China Offshore 50 – USDA0F5UEETF

 

 NameWKNAA reg./comdirect
1.UBS Equity Fund China Opportunity – USD9865793,0 %/2,25 %
2.Neuberger Berman C hina Equity Fund – USDA0X8X45,0 %/2,5 %
3.Comgest Growth Greater China – EUR7564554,0 %/2,0 %
4.Vontobel Fund MTX China Leaders AAOLF8R5,0 %/3,75 %
5.Henderson Horizon China Fund – A1 USD DISA0M7WV5,26 %/2,63 %
AA: Ausgabeaufschlag. Auswahl: Fonds Hongkong und China mit mindestens fünf Morningstar-Sternen, nach Fünf-Jahres-Wertentwicklung; ETFs, Aktien Hongkong und China, sparplanfähig und Top-Preis ETFs oder nach Fünf-Jahres-Wertentwicklung. Fonds und ETFs unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die in ausländischer Währung notieren, bestehen zudem Währungsrisiken. Die Beschreibung der Wertpapiere stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Allein verbindliche Grundlage des Kaufes eines Fonds/ETF sind die derzeit gültigen Verkaufsunterlagen des Fonds/ETF („Wesentliche Anlegerinformationen“, Verkaufsprospekt sowie Jahres- und Halbjahresberichte, soweit veröffentlicht). Diese Unterlagen, die in deutscher und/oder englischer Sprache vorliegen, erhalten Sie auf der Wertpapier-Detailseite unter www.comdirect.de oder direkt beim Emittenten. Stand: 20.09.2017; Quelle: comdirect.de