Automobilaktien: Paradoxe Zeiten

Automobilbranche
Auto-Aktien: Jetzt noch kaufen?

Dieselgate und drohende Fahrverbote treffen die Hersteller ins Mark. Gleichzeitig stellen sie Umsatz- und Gewinnrekorde auf.

Das operative Geschäft der großen deutschen Automobilkonzerne läuft hervorragend. Dank guter internationaler Konjunktur steigen Umsatz und Gewinn deutlich an. Trotz Trend zum Elektroauto werden konventionelle Antriebe noch auf viele Jahre den Markt dominieren. Die Aktien sind relativ niedrig bewertet und Daimler und BMW gehören zu den stärksten Dividendenzahlern im DAX. Gleichzeitig wird die Branche von selbstverschuldeten Skandalen erschüttert. Zum bereits bekannten Dieselgate kommen Kartellvorwürfe, die das Image nachhaltig beeinträchtigen könnten. Bei der Elektromobilität hinken die Deutschen noch zurück und auch bei den Analysten haben BMW, Daimler und VW an Vertrauen eingebüßt.

Absatzrekorde: Trotz aller Vorwürfe gegen die Automobilbranche läuft das Geschäft hervorragend: Im ersten Halbjahr steigerte der BMW-Konzern den Absatz um 5 % auf einen neuen Halbjahresrekord von 1,2 Millionen Fahrzeugen. Bei Mercedes-Cars betrug das Plus sogar 11,5 % auf 1,16 Millionen Autos. Der VW-Konzern steigerte sich um knapp 1 % auf 5,15 Milliarden Fahrzeuge.

Starkes Gewinnplus: Nicht nur der Umsatz, auch der Profit stimmt. Bei Daimler nahm das Konzern-EBIT im 1. Halbjahr um 43 % auf 7,75 Milliarden Euro zu. Das operative Ergebnis des Volkswagen-Konzerns stieg sogar um 67 % auf 8,92 Milliarden Euro. Auch BMW steigerte das Ergebnis vor Steuern um gut 17 % auf 6,06 Milliarden Euro.

Lukrative Zwischentechnologie: In China werden Quoten für Elektrofahrzeuge eingeführt und spätestens ab 2040 sollen in Frankreich und England nur noch Stromer zugelassen werden: Aber bis auf weiteres werden Autos mit klassischer Technik gebaut, verkauft und den größten Teil des Marktes ausmachen.

Günstige Bewertung: Die drei DAX-Automobilwerte Volkswagen, BMW und Daimler gehören aktuell zu den preisgünstigsten Aktien im DAX. Sie werden mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 5,5 bis acht für das Jahr 2017 bewertet. Die Dividendenrenditen sind vor allem bei BMW (mehr als 4 %) und bei Daimler (mehr als 5 %) sehr üppig.

Kartellvorwürfe: Vertreter von VW, Porsche, Audi, BMW und Daimler sollen sich nach Medienberichten mehr als 20 Jahre lang über Kosten, Zulieferer und Abgas-Reinigung abgesprochen haben. Es drohen Schadenersatz und Strafzahlungen. Der Imageschaden dürfte den Finanzschaden noch übertreffen.

Dieselskandal: Nicht alle Autokonzerne stehen unter Verdacht, die Abgasnormen umgangen zu haben. Wenn in deutschen Städten Fahrverbote für Diesel eingeführt werden, leiden auch diese Unternehmen. Der Diesel-Anteil an den Zulassungen geht bereits deutlich zurück.

Rückstand bei Elektro: Deutsche Autokonzerne setzen auf High Tech bei Otto- und Dieseltechnik. Mit weniger Diesel und ohne alternative Antriebe sind die EU-Vorgaben für den Flottenverbrauch nicht zu erfüllen. Bei der E-Mobilität hinkt Deutschland Premium-Anbieter Tesla, aber auch den Japanern und Renault noch hinterher. Daimler, VW und BMW müssen massiv investieren.

Skeptische Analysten: Noch vor zwei Jahren lagen die Autobauer in der Gunst der Analysten weit vorn. Das hat sich geändert. Kein Hersteller erreicht bei comdirect einen Analystenscore von mehr als 50 %. Am besten platziert ist zurzeit BMW mit 50 %.

Aktien unterliegen Kursschwankungen, damit sind Kursverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Beschreibung der Wertpapiere stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Der comdirect Analystenscore berechnet sich aus der Gesamtzahl der Analysten, die diese Aktie bewerten. Die negativen Einschätzungen (Verkaufen) werden von den positiven (Kaufen) subtrahiert und das Ergebnis durch die Gesamtzahl aller Einschätzungen (Kaufen, Halten, Verkaufen) dividiert. Diese Zahl wird mit 100 multipliziert, um den Prozentwert darzustellen. Die Darstellung gibt nicht die Meinung der comdirect wieder. Sie dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageempfehlung dar. Stand: 27.09.2017; Quelle: comdirect.de