DAX
Allzeithoch geknackt – und nun?

Der DAX hat am 4. Oktober im Tagesverlauf ein neues Allzeithoch erreicht. Beginnt nun die Jahresendrally?

Die anhaltenden Nullzinsen und der daraus resultierende Trend zu Sachwerten begünstigen weiterhin Aktien. In Deutschland und in den wichtigsten Nachbarländern stehen die konjunkturellen Zeichen auf Wachstum. Auch aus Sicht der Markttechnik ist der Weg nach oben frei. Belastend können sich dagegen Schwierigkeiten bei der Regierungsbildung in Deutschland auswirken. Der Katalonien-Konflikt und die italienische Parlamentswahl könnten die Europa-Idee bremsen. Zudem sind die Aktien in Deutschland inzwischen recht hoch bewertet, und eine Trendwende kann nach dem langen Aufschwung schon durch leichte Warnsignale ausgelöst werden.

 

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Nullzinsen drängen zur Aktienwahl: Die Leitzinsen in der Euro-Zone stehen weiterhin bei 0,0 %, die EZB kauft immer noch monatlich für 60 Milliarden Euro Staats- und Unternehmensanleihen auf. Bei Nullzinsen für Anleihen mit mittleren Laufzeiten und Inflationsraten von rund 2 % sind ohne Sachwerte wie Immobilien und vor allem Aktien Realverluste programmiert.

Deutsche Wirtschaft brummt: Banken und Konjunkturinstitute haben ihre Prognosen zuletzt angehoben. Das Wachstum sollte demnach in Deutschland 2017 und 2018 bei rund 2 % liegen. Die Arbeitslosenrate ist im September auf 5,5 % gesunken, 741.000 offene Stellen wie zuletzt gab es in Deutschland zum letzten Mal am Ende des Wirtschaftswunders 1969.

Europa wächst wieder: Europas Wirtschaft ist wieder in Schwung gekommen. Auch Sorgenkinder wie Italien und Frankreich zeigen Wachstum. Sinkende Arbeitslosenzahlen und höhere Kaufkraft bei den Nachbarn helfen der deutschen Exportindustrie.

Keine Bremse durch die Markttechnik: Nach dem Durchbrechen des Allzeithochs im DAX setzt die Charttechnik keine Grenzen mehr. Gleichzeitig gibt es anders als etwa zur Jahrtausendwende keine Euphorie bei Profis und Privatanlegern. Weiterhin liegen Billionen Euro auf niedrig verzinsten Konten. Zusätzlich investiertes Kapital am Aktienmarkt könnte die Hausse weiter nähren.

Unsichere Regierung in Deutschland: Die Märkte haben sich von den großen Verlusten der etablierten Parteien bei der Bundestagswahl nicht stören lassen. Im Gegenteil: Sie setzen auf eine Jamaika-Koalition unter Führung von Angela Merkel. Größere Probleme oder gar ein Scheitern der Koalitionsverhandlungen würden empfindlich stören.

Politische Gefahren in Europa: Europa ist weiterhin fragil. Wahlsiege gemäßigter Politiker in Österreich und den Niederlanden, aber vor allem der Durchmarsch von Emmanuel Macron hatten die Euro-Zone zwar gestärkt. Aber die stockenden Brexit-Verhandlungen und die Abspaltungstendenzen in Katalonien bremsen die Euphorie nun deutlich. Zudem steht 2018 die italienische Parlamentswahl an, bei der Europa-Skeptiker die Mehrheit erringen könnten.

Hohe Bewertung: Die deutschen Aktien sind nach den jüngsten Kurssteigerungen nur noch verhältnismäßig billig. Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis der 30 DAX-Werte für das Jahr 2017 liegt bei rund 14 – und damit um vier bis fünf Punkte unter dem KGV des amerikanischen S & P 500. Voraussetzung für weiter steigende Kurse dürfte eine Stabilisierung der jüngsten Gewinndynamik sein.

Jeder Trend endet: Auch die stärksten Hausse-Phasen an der Börse dauern nicht ewig. Der DAX ist seit 2012 (siehe Chart) und insgesamt seit mehr als 100 Monaten tendenziell im Aufwärtstrend. Vor allem wenn die EZB bei weiterhin positiver Konjunkturentwicklung in Europa eine Zinswende einläutet, könnte dies auch für die Aktienmärkte eine Trendwende signalisieren.

Aktien unterliegen Kursschwankungen, damit sind Kursverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Beschreibung der Wertpapiere stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Sie dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageempfehlung dar. Stand: 18.10.2017; Quelle: comdirect.de