Die Momentum-Strategie hilft, trendstarke Aktien zu erkennen

Serie: Anlagestrategien
Momentum

Die Momentum-Strategie hilft, trendstarke Aktien zu erkennen. In trendlosen Märkten aber ist Vorsicht geboten.

Autofahrer kennen das: Je schneller sie fahren, desto länger der Bremsweg. Der simple Zusammenhang lässt sich auch auf die Geldanlage übertragen. Momentum-Investoren setzen deshalb auf Aktien und Märkte, die bereits Fahrt aufgenommen haben, weil diese Werte in der Regel nicht so schnell ausgebremst werden. Im Gegenteil: Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sie auch zukünftig auf der Überholspur bleiben werden. „An der Börse herrscht das Gesetz der Trendkontinuität“, erklärt Ralf Goerke, technischer Analyst und Autor des Börsenbriefes „Momentuminvestor“. „Von diesen Trends können Anleger profitieren.“

Stay with the trend – the trend is your friend. Vor allem Charttechniker vertrauen auf diese alte Börsenregel. Für die Analyse nutzen sie nicht nur Trendkanäle und Chartformationen, sondern sichern sich zusätzlich durch Indikatoren ab. Ein wichtiger Indikator ist das Momentum, das Auskunft über Qualität und Stärke eines Trends gibt. Zur Berechnung wird der aktuelle Kurswert ins Verhältnis zu einem durchschnittlichen Kursniveau der Vergangenheit gesetzt. Handelssystementwickler Goerke etwa nutzt den Halbjahresschnitt als Vergleichsmaßstab. Liegt der aktuelle Kurs über dem Kurs der Vergangenheit ist das Momentum größer eins – die Aktie befindet sich in einem Aufwärtstrend. Analog signalisiert ein Momentum kleiner eins einen Abwärtstrend.

Trendphasen bestimmen und vergleichen

Der Indikator lässt sich für jede Aktie, für jeden Index und auch für Rohstoffe oder Devisen berechnen. „Dadurch werden die Märkte vergleichbar, und Anleger können in den trendstärksten Aktien und Märkten investieren“, so der Autor des Börsenratgebers „Zur richtigen Zeit im richtigen Markt“. Die Investmentstrategie geht ursprünglich auf die Theorie der relativen Stärke des Amerikaners Robert A. Levy zurück. Er investierte jeweils in den 10% der Aktien, die sich in der Vergangenheit am besten entwickelt hatten. In Wackelmärkten mit exogenen Schocks aber ist das eine gewagte Strategie, denn wenn die Börsen auf Talfahrt gehen, zieht es meist alle Werte mit nach unten. Und schlimmer noch: Manchmal sind die größten Verlierer dann genau jene Aktien, die in der Aufschwungphase am besten abgeschnitten hatten. Vor der Jahrtausendwende etwa waren es Internetwerte, die am stärksten nach oben gezogen waren – und mit denen Anleger nach dem Platzen der Blase am meisten Geld verloren hatten. Ähnlich erging es Anlegern ein paar Jahre später mit Finanzwerten. Die Branche hatte ordentlich Fahrt aufgenommen, bevor die US-Immobilienblase platzte und die Insolvenz der US-Bank Lehman Brothers das Finanzsystem an den Rand des Abgrundes brachte. Weltweit brachen die Börsen ein, doch mit Finanzwerten verloren Anleger besonders viel Geld.

Vorsicht in trendlosen Wackelmärkten

„Das Momentum eignet sich nicht in jeder Marktphase als Auswahlkriterium“, gibt Goerke zu bedenken. In starken Trendmärkten können Momentum-Investoren überproportional profitieren. Weniger Erfolg verspricht der Ansatz in turbulenten und schwankungsanfälligen Börsenphasen, wie wir sie aktuell erleben. „Die Verunsicherung der Investoren ist aufgrund der Vielzahl politischer und wirtschaftlicher Krisenherde groß“, sagt Goerke. „Ein nachhaltiger Trend ist nur bei wenigen Einzelwerten oder Branchen zu erkennen.“ Goerke hat sein Analysemodell deshalb um andere Indikatoren erweitert. Jeder Einzelwert wird mit diesen Indikatoren geprüft und das Ergebnis in Schulnoten umgerechnet. „Die technische Qualität einzelner Märkte wird damit vergleichbar.“