Einfach gefragt: „Kann ein Crash an den ­Börsen Geld vernichten?“

Einfach gefragt
„Kann ein Crash an den ­Börsen Geld vernichten?“

Die Schlagzeilen in den Zeitungen lassen keinen ­Zweifel: „Crash am Aktienmarkt vernichtet über Nacht mehrere Milliarden Euro!“ Durchgängig wird diese Formulierung inzwischen ­gebraucht. Ökonomen können aber nur den Kopf schütteln auf die Frage „Wohin ist nach einem Börsen-Crash das Geld der Anleger denn verschwunden? Und wer hat es jetzt?“ Denn: Geld als Zahlungsmittel wie Euro oder US-­Dollar – und egal, ob in bar oder als ­Kontoguthaben – kann ein Börsen-Crash nicht unmittelbar vernichten. Die von den Zentralbanken gemessene Geldmenge wird also nicht durch einen Börsen-­Crash automatisch kleiner.

Nun besitzt aber doch jeder Anleger nach einem Börsen-Crash weniger als zuvor! Weniger ja – aber weniger wovon ist die Frage. Die simple Antwort lautet: weniger Vermögen – in diesem Fall Aktienwerte. Die Menge an Euro oder US-Dollar, die der Aktionär vor dem ­Börsen-Crash hatte, hat sich aber über Nacht nicht verändert.

Erst wenn der Aktionär seine Aktien verkauft, hat das Einfluss auf die Geldmenge. Aber so verrückt es klingt: Die Geldmenge in einem Währungsraum kann dann sogar steigen statt fallen! So fließt dem Aktionär durch den Verkauf von Aktien Geld zu, weil er Euro oder US-Dollar gegen sein (wenn auch geschrumpftes) Aktien­vermögen eintauscht. Er besitzt also nach dem Verkauf mehr Euro oder US-Dollar als zuvor. Wäre nun etwa die Europäische Zentralbank der Käufer seiner Aktien – was sie bei griechischen Staatsanleihen ja schon häufig war –, dann würde sie mit selbst hergestellten Euro-Geldscheinen die Aktien bezahlen. Resultat: Neues, zusätzliches Geld käme damit an den Markt.

Verrückt? So ist die Ökonomie aber nun mal!