Einfach gefragt
„Kann die Europäische Zentralbank pleitegehen?“

Was passiert, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) nach Griechenland weitere Euro-Länder aus Kapitalnot retten muss? Sind nicht auch ihre Mittel irgendwann aufgebraucht? Oder kann die EZB nie pleitegehen, weil sie ja immer neues Geld selbst drucken darf?

Die Antwort ist simpel: Theoretisch kann sie schwerlich pleitegehen, praktisch aber sind auch ihre Möglichkeiten nur begrenzt. „Wir werden alles tun, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir – es wird genug sein!“ Mit diesem donnernden Satz („Whatever it takes!“) beruhigte EZB-Chef Mario Draghi 2012 die Märkte. Richtigerweise sagte er damals aber nicht: „Und glauben Sie mir – wir können alles!“

So kann die EZB neues Geld (als Kontoguthaben oder Geldscheine) immer nur durch den Ankauf von Vermögenswerten erschaffen. Nur im Tausch kann sie also ihre neuen Euros in Umlauf bringen. Beispielsweise, wenn sie jemandem griechische Staatsanleihen abkauft und ihm dafür ihre neuen Euros liefert. Das bedeutet aber: Die EZB muss immer jemanden finden, der die von ihr zum Bezahlen geschaffenen neuen Euros auch akzeptiert, um dafür seine Vermögenswerte herzugeben.

Besitzer griechischer Staatsanleihen werden leichteren Herzens neue Euros der EZB im Tausch annehmen. Doch an Inhaber deutscher oder schweizerischer Staatsanleihen kommt die EZB schon heute nur ungleich schwerer heran, denn die stellen sich die Frage: Sind mir die frisch gedruckten Euros der EZB sicherer als das Rückzahlungsversprechen der Bundesrepublik Deutschland oder der Schweiz?

Fazit: Ohne Vertrauen in ihre Stabilität kommt auch die EZB nicht weit – so viele Geldscheine sie auch drucken kann!