Mehr Performance durch Experten-Know-how? Eckhard Sauren (links) glaubt daran, Michael Grüner ist skeptisch

Streitgespräch
Markt oder Manager?

Zur Info:

In unserem Glossar können Sie die Definitionen nachlesen:

Was ist eigentlich ein Investmentfonds?
Was sind eigentlich ETFs?

ETFs bilden passiv und damit kostengünstig breite Märkte ab. Bei klassischen Investmentfonds dagegen pickt ein Manager die nach seiner Einschätzung aussichtsreichsten Aktien heraus. Passiv oder aktiv: Mit welchen Investments sind Anleger besser aufgestellt? Ein Streitgespräch.

compass: Herr Sauren, ETFs ermöglichen breite Streuung, sie sind transparent und kostengünstig. Gibt es einen Haken?
Eckhard Sauren: Mehrere sogar. In stark schwankenden Märkten erhöht sich die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs. ETFs sind oft nicht so günstig wie geglaubt. Wichtiger aber: Mit ETFs verzichten Anleger auf Performance, denn sie können nie besser sein als der Markt. Es gibt aber genug Manager, die höhere Renditen erzielen.
Michael Grüner: Da muss ich widersprechen. Die Kosten aktiv gemanagter Fonds sind im Schnitt gut dreimal so hoch wie die von ETFs. Die Handelsspanne weitet sich bei jedem Basiswert aus. Das bekommen auch aktiv gemanagte Fonds zu spüren, nur ist es bei ihnen nicht so gut sichtbar. Und was die Outperformance von Managern angeht: Nur die wenigsten schaffen es, langfristig besser zu sein als der Markt.

compass: Welche Vorteile haben aktiv gemanagte Fonds?
Eckhard Sauren: Die Anzahl der Fonds, die langfristig besser abschneiden als der Markt, liegt immerhin bei 20 bis 25 %. Entscheidend sind am Ende nicht die Kosten, sondern das, was unter dem Strich an Rendite hängen bleibt. Unser Dachfonds Sauren Global Growth kostet zwar 2 % p. a. mehr als ein ETF, aber er hat über 15 Jahre nach Abzug aller Gebühren auch 3 % p. a. besser abgeschnitten. Der Renditevorsprung ist über die Jahre erheblich.
Michael Grüner: Wenn einer von fünf Managern bessere Ergebnisse erzielt, dann heißt das doch, dass vier es nicht schaffen. Viele weichen nicht mal von der Benchmark ab. ETFs liefern dann das Gleiche, nur günstiger.

© Andreas Reeg

© Andreas Reeg

„Gute Manager bringen mehr Rendite. Warum sollte ich darauf verzichten?“ -  Eckhard Sauren, Chef der Sauren Financial Group

compass: Können gute Manager in jedem Markt mehr Rendite erzielen als ein ETF?
Eckhard Sauren: Im Prinzip ja. Die größten Vorteile haben aktive Manager aber in ineffizienten Märkten – zum Beispiel im Segment der kleinen und mittleren Unternehmen. Hier kann man durch gute Analyse und Marktkenntnis eine Mehr­rendite erzielen. Im S & P 500 dagegen ist das schwer, weil die Unternehmen von Banken weltweit analysiert werden.
Michael Grüner: Es gibt aber auch Marktphasen, in denen sich schlaue Gedanken nicht rechnen, und in solch einer Phase befinden wir uns. Seit fünf Jahren haben wir einen makroökonomisch getriebenen Markt, in dem die Zentralbanken den Trend vorgeben.

compass: Was heißt das für Anleger?
Michael Grüner: Wenn der DAX um 10 % runterkommt, ist die Managerqualität egal, weil alle Kurse korrigieren. Was aber nicht egal ist: Waren Sie im DAX investiert oder nicht?
Eckhard Sauren: Das stimmt, aber ganz ehrlich: Welcher Investor schafft es, einen idealen Ein- oder Ausstiegszeitpunkt zu finden? Anleger haben im Schnitt genau deshalb kein Geld verdient, weil sie versucht haben, schlauer zu sein als der Markt, und Märkte timen wollten. Es ergibt mehr Sinn, das Timing-Problem durch einen simplen Sparplan zu lösen.
Michael Grüner: Ich bleibe dabei: Die richtige Asset Allocation entscheidet über den Anlageerfolg. Durch aktive Titelauswahl kann man dann eventuell noch einen Schnaps mehr bekommen – oder eben auch weniger. Wer sich eine gute Depotaufteilung zutraut, ist mit günstigen ETFs am besten bedient.
Eckhard Sauren: Anleger trauen sich leider meistens zu viel zu und müssen deshalb oft mit schlechten Anlageergebnissen vorliebnehmen. Ich halte diesen taktischen Ansatz für hochgefährlich, weil kein Anleger eine Glaskugel hat. Besser ist es, sein Risikomaß zu bestimmen und das Depot dann langfristig danach auszurichten, als zu versuchen, durch Timing die Rendite zu optimieren.

© Andreas Reeg

© Andreas Reeg

„Rendite entsteht durch die richtige Allokation. ETFs sind ideale Port­foliobausteine“ - Michael Grüner, Vertriebschef des ETF-Anbieters iShares

compass: Ergibt es Sinn, aktives und passives ­Management zu kombinieren?
Eckhard Sauren: Warum sollte ich, wenn ich doch in jedem Markt Manager finden kann, die bessere Ergebnisse erzielen?
Michael Grüner: Mit einer Core-Satellite-Strategie lassen sich die Vorteile des akti­ven und passiven Managements verbinden. Effiziente Märkte wie die USA, Japan oder Europa kommen per kostengünstigem Indexpapier ins Depot. In Nischenmärkten kann man versuchen, einen der Top-Manager zu finden, der eine Überrendite erzielt.

compass: Mit ETFs investieren Anleger oft prozyklisch, weil bereits gut gelaufene Titel sehr stark gewichtet sind. Ein Nachteil?
Eckhard Sauren: Natürlich, denn es gibt viele Fehlbewertungen im Markt, von denen aktive Manager profitieren können. Oft haben unterbewertete Aktien, die niedrig gewichtet sind, das größere Kurspotenzial und die geringeren Rückschlagrisiken.
Michael Grüner: Das ist richtig, gilt aber nur für kapitalmarktgewichtete und nicht für gleichgewichtete Indizes. Das Angebot an ETFs ist inzwischen so vielseitig, dass jeder Anleger die Produkte finden kann, die zu seinen Anlagezielen passen.

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