Anlagestrategie
Sell in May and go away?

Gewinne mitnehmen ab Wonnemonat Mai? Eine alte Börsenregel rät dazu und die Statistik gibt ihr Recht. Doch gilt das auch in diesem Jahr?

„Sell in May and go away – but remember to come back in September“ ist eine der bekanntesten Börsenregeln. Sie fußt auf der simplen Beobachtung, dass die Märkte nicht nur von konjunkturellen Trends, sondern auch von saisonalen Zyklen beeinflusst werden. Ab Mai, so heißt es, herrsche Dürre im Depot. Börsianer verabschieden sich zunehmend von den Märkten und genießen den Sommer. Mangels Nachfrage bröckeln die Kurse – erst im Herbst erholen sie sich wieder.

TT Sell in May | Speck

© privat

„Saisonalitäten gehören zu den wenigen nachgewiesen wirksamen Handelsansätzen und sind zudem leicht umzusetzen. Wer saisonale Muster beherzigt, kann deutliche Überrenditen erzielen.“

Dimitri Speck

Handelssystementwickler, Gründer von Seasonax und Chefanalyst bei 90 Tage Trader

DAX im Winter stark

Anleger, die nur in den Monaten November bis April investiert waren, konnten im DAX im Schnitt seit 1970 die besten Ergebnisse erzielen.

Quelle: Seasonax, Dimitri Speck; Stand: Mai 2017
Aktien unterliegen Kursschwankungen, damit sind Kursverluste möglich. Bei Aktien außerhalb des Euro-Raums gibt es zusätzlich Währungsrisiken Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Beschreibung stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Es handelt sich um die Angabe der Bruttowertentwicklung (siehe „Typisierende Modellrechnung“ im Impressum). Die Darstellung gibt nicht die Meinung der comdirect wieder. Sie dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageempfehlung dar. Referenzzeitraum: 01.05.1970 bis 01.05.2017; Stand: 01.05.2017; Quelle: comdirect.de

Stabiles Muster: Saisonalitäten zählen zu den stabilsten Handelsmustern und sind statistisch über Jahrzehnte belegt. Handelssystementwickler Dimitri Speck hat die Kursentwicklung in elf Ländern seit 1970 untersucht. Ergebnis: In allen elf Ländern, darunter Deutschland, die USA, Frankreich, Japan und China - verlief das Winterhalbjahr im Schnitt besser als das Sommerhalbjahr. In der Mehrzahl der Länder standen während des Sommerhalbjahres im Mittel sogar Verluste zu Buche.

Börsen am Allzeithoch: DAX, Dow Jones und Co. sind in den vergangenen Monaten bereits sehr gut gelaufen – und, so eine zweite Börsenregel, durch Gewinnmitnahmen ist noch niemand arm geworden. Langfristig orientierte Anleger, die Korrekturen erwarten, können ihre Depots auch absichern und damit mögliche Verluste begrenzen.

Keine Regel ohne Ausnahmen: Wer die Börsenregel in der Vergangenheit beachtete, kam in den meisten Jahren zu positiven Ergebnissen. Aber nicht in jedem Jahr. Denn neben dem saisonalen Muster gibt es andere Einflussfaktoren, die die Märkte unter Umständen dominieren. Im vergangenen Jahr etwa sorgte die China-Krise für Korrekturen zum Jahresauftakt, bereits ab Mitte Februar ging es dann unter Schwankungen bergauf. Dominierende Faktoren könnte es auch in diesem Jahr geben. Anleger sollten die politischen Risiken sowie die Notenbankpolitik in den USA und Europa im Auge behalten.

Risiko Wiederanlage: „Sell in May“ ist nur ein Teil der Börsenregel. Der zweite: „but don´t forget to come back in September“. Mit dem Wiedereinstieg aber tun sich viele Anleger schwer, weil sie nach einem perfekten Zeitpunkt suchen. Im schlechtesten Fall investieren sie gar nicht, so dass sie die Chance auf Partizipation an möglicherweise guten Wintermonaten verpassen.

Alte Regel: Die Finanzmärkte sind global vernetzt, der Handel stark automatisiert. Mit stetigem Informationsfluss und Digitalisierung könnte die Börsenregel „Sell in May“ ihre Bedeutung verlieren.

Aktien unterliegen Kursschwankungen, damit sind Kursverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Beschreibung der Wertpapiere stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Bei Aktien in ausländischer Währung kann es zu Wertverlusten durch Wechselkursveränderungen kommen. Die Darstellung gibt nicht die Meinung der comdirect wieder. Sie dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageempfehlung dar. Stand: 21.06.2017; Quelle: comdirect.de