Europa
Optimismus überwiegt

Nach den Wahlen in Frankreich und Großbritannien richten Investoren ihren Blick wieder stärker auf Unternehmensdaten. Optimismus überwiegt – trotz des anstehenden Brexits.

Die Franzosen haben mit Emmanuel Macron einen ausgewiesenen Europa-Befürworter zum Präsidenten gewählt. Und in Großbritannien schaffte es Brexit-Befürworterin Theresa May nicht, ihre Position zu stärken – im Gegenteil: Unter ihrer Führung verlor die Konservative Partei ihre absolute Mehrheit. Damit wurde, so Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer, „der harte Brexit abgewählt“

Der Ausblick auf die bevorstehende Trennung von Großbritannien hat den Konjunktur-Optimismus im Euro-Raum nicht gedämpft. Die deutsche Wirtschaft boomt, der ifo-Geschäftsklimaindex kletterte im Mai auf den höchsten Wert seit 1991. Aber auch in Frankreich, Spanien oder Italien hat sich die Stimmung nach Angaben der EU-Kommission zuletzt aufgehellt. Unter dem Strich legte der europäische Geschäftsklimaindex im April um 1,6 auf 109,6 Punkte zu.

Stärkeres Wachstum als in den USA

Optimismus überwiegt. „Mit den Ergebnissen der Wahlen in den Niederlanden und in Frankreich scheint die Gefahr eines Zusammenbruchs der EU gebannt“, sagt Isabelle Levy, Chefin der Pariser Fondsboutique Metropole Gestion und Managerin des Europafonds Metropole Selection (WKN A0NDAK). Das allmähliche Ende des politischen Risikos werde große Auswirkungen auf die europäischen Märkte haben. „Die Fundamentaldaten und die Bewertung der Unternehmen werden wieder zu den wichtigsten Faktoren für die Wertentwicklung an den Börsen werden.“ Und die sehen gut aus. Im ersten Quartal wuchs die Wirtschaft der Euro-Zone mit einer Jahresrate von 2 % – und damit stärker, als die US-Wirtschaft, die um 0,7 % zugelegt hat.

Das Wachstum spiegelt sich auch in den Unternehmensergebnissen. Die Unternehmen des STOXX Europe 600 konnten im vierten Quartal 2016 einen durchschnittlichen Zuwachs ihrer Gewinne je Aktie um 10 % erzielen, so die Value-Investorin Levy. Der Positiv-Trend werde auch durch die Zahlen für das erste Quartal 2017 bestätigt. Der deutsche Motorenhersteller Deutz (WKN 630500) etwa hat den Absatz in den ersten drei Monaten des Jahres um 15,7 % steigern können. Die Auftragseingänge kletterten sogar um 23 %.

Zahlreiche Investment-Chancen

„Das Umfeld ist insbesondere deswegen günstig, weil ganze Wirtschaftszweige der europäischen Börse extrem unterbewertet sind“, betont Levy. So spiegele der Kurs des französischen Industriekonzerns Saint-Gobain (WKN 872087) trotz starker Entwicklung ein Konjunkturtief wider. Auch zahlreiche Werte der Ölindustrie sowie Ölfelddienstleister seien aufgrund der Schwankungen der Ölpreise unterbewertet. „Die Bewertung berücksichtigt in keiner Weise die drastischen Umstrukturierungen dieser Unternehmen, die ihre Fixkosten innerhalb von zwei Jahren um durchschnittlich 30 bis 40 % senken konnten“, sagt Fondsmanagerin Levy. Das gelte auch für einige britische Werte wie Lloyds (WKN 871784), Hays (WKN 881825) oder Kingfisher (WKN 812861). „Die mit dem Brexit verbundenen Risiken sind mehr als eingepreist.“

Seit Beginn der Finanz- und Euro-Krise vor neun Jahren, so die Einschätzung der Analysten von Metropole Gestion, haben sich viele europäische Unternehmen neu aufgestellt. „Sie haben ihr Geschäftsportfolio überdacht, ihre Produktionsmittel umstrukturiert und ihre Kapitalintensität verringert und konnten dadurch eine strukturelle Stärkung ihres operativen Hebels gewährleisten“, sagt Fondsmanagerin Levy. So sei es dem schwedischen Unternehmen Alfa Laval 2016 gelungen, trotz eines Auftragsrückgangs um 22 % eine operative Marge von 15,6 % beizubehalten. „Die europäischen Unternehmen sind inzwischen so strukturiert, dass sie plötzliche Umsatzeinbrüche abfedern können“, ist die Value-Managerin überzeugt. Das werde von den Märkten bisher nicht honoriert.

Breit gestreut

Steigende Gewinne und hohe Gewinnausschüttungen bei europäischen Unternehmen erwartet auch Stephan Werner, Manager des europäischen Dividendenfonds Deutsche Invest II European Top Dividend (WKN DWS1D8) bei der Deutschen Asset Management. Auf Sicht von zwölf Monaten erwartet er eine Dividendenrendite von 3,6 % für den STOXX 600 Index.

Anleger können breit gestreut per Fonds oder ETFs von der guten Ertragslage europäischer Unternehmen profitieren. Zu den Top-Fonds mit fünf Morningstar-Sternen im Segment Large Caps zählen der Henderson Horizon-Euroland Fund (WKN 989226) oder der Postbank Europafonds Aktien (WKN 979772). Bei den kleinen und mittleren Unternehmen führen der Axa World Fund Framlington Europe Small Cap (WKN 657737) und der Baring Europe Select Trust (WKN 764914) die Liste der Top-Fonds nach Fünf-Jahres-Performance an.

Passive Partizipation bieten ETFs – zum Beispiel von ComStage am EuroSTOXX 50 (WKN ETF950) oder dem EuroSTOXX © Select Dividend 30 (WKN ETF051). Beide ETFs werden bei comdirect als Top-Preis-ETFs angeboten und sind sparplanfähig.

Wer sich breiter aufstellen möchte, kann auch den digitalen Anlageservice cominvest von comdirect nutzen. Anleger entscheiden dabei, wie viel Geld sie anlegen möchten (ab 3.000 Euro), für wie lange und zu welchem Risiko – und sie erhalten dann einen zu ihren Vorgaben passenden Anlagevorschlag. Auf Wunsch übernimmt cominvest auch die Umsetzung und die regelmäßige Überprüfung.

Aktien, Fonds und ETFs unterliegen Kursschwankungen. Damit sind Kursverluste möglich. Bei Papieren, die in ausländischer Währung gehandelt werden, besteht zudem ein Währungsrisiko. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Allein verbindliche Grundlage des Kaufs eines Fonds oder eines ETFs sind die derzeit gültigen Verkaufsunterlagen des Fonds („Wesentliche Anlegerinformationen“, Verkaufsprospekt sowie Jahres- und Halbjahresberichte, soweit veröffentlicht). Diese Unterlagen, die in deutscher/englischer Sprache vorliegen, erhalten Sie auf der Wertpapier-Detailseite unter www.comdirect.de oder direkt beim Emittenten. Die Beschreibung der Wertpapiere stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Stand: 21.06.2017; Quelle: comdirect.de