Gesundheit mit Rendite

Ausblick
Gesund mit Rendite

Der Gesundheitsmarkt wächst. Einen großen Schub könnten neue Medikamente und Therapien bringen. Anleger können auch von Übernahmen profitieren.

Kommt sie – oder kommt sie nicht? Nachdem US-Präsident Donald Trump mit der Abschaffung von Obamacare, der Gesundheitsreform seines Amtsvorgängers Barack Obama, zunächst gescheitert war, hat er nun neue Pläne vorgelegt. Von der befürchteten Regulierung der Medikamentenpreise ist im Gesetzentwurf nichts zu lesen. Stattdessen sollen einige Sondersteuern für den Pharmasektor gestrichen werden, mit denen bislang Fördermittel für „Obamacare“ finanziert wurden. Gerätehersteller, aber auch Pharmakonzerne dürften profitieren. „Falls der Senat die geplante Gesundheitsreform der US-Regierung absegnet, bedeutet das für die betroffenen Unternehmen eine starke Entlastung, die sich auf die Gewinnmargen sowie auf die Aktienkurse auswirken könnte“, sagt Torsten Hunke, Managing Director von VanEck Europe. „Dies ist ein positives Signal für den Pharmasektor, insbesondere für Unternehmen mit einer ohnehin schon starken Wettbewerbsposition, wie etwa Allergan oder Eli Lilly and Company.“

Unabhängig von der geplanten Reform des Gesundheitssektors in den USA sieht Mario Linimeier, Geschäftsführer des auf den Gesundheitsbereich spezialisierten Fondsanbieters Medical Strategy, noch eine Reihe anderer Treiber, die dem Gesundheitsmarkt Rückenwind verleihen. Die Menschen werden älter und benötigen mehr Gesundheitsdienstleistungen. In den Schwellenländern wachsen die Mittelschicht und ergo die Zahl der Menschen, die sich Gesundheitsdienstleistungen leisten können. Zudem nehmen Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes Typ 2 weltweit zu. Schon heute sind 415 Millionen Menschen zuckerkrank, bis 2040, so die Prognose der International Diabetes Federation, wird die Zahl auf 642 Millionen steigen – ein riesiger Markt.

Innovation als Motor

Im vergangenen Jahr konnte die Pharma-Branche ihre Gewinne bereits das dritte Jahr in Folge steigern. Nach einer Auswertung der Unternehmensberatung EY blieben bei den 21 größten Pharmakonzernen der Welt 2016 rund 27 % des Umsatzes als Gewinn vor Steuern und Zinsen übrig. Und die Perspektiven sind gut. Weltweit sollen die Ausgaben für Medikamente nach Prognosen des Analysehauses Evaluate bis 2022 um 352 auf 1.164 Milliarden US-Dollar steigen. „Ein wichtiger Treiber der Healthcare-Branche sind Innovationen“, sagt Anlageprofi Linimeier, der mit seinem Team den Fonds FCP OP Medical BioHealth-Trends (WKN 941135) managt. In der Krebstherapie etwa könnte die Immuntherapie den Durchbruch bringen. Mit unterschiedlichen Verfahren soll das Immunsystem selbst in die Lage versetzt werden, die Tumoren zu bekämpfen. „Die Daten der klinischen Studien sind vielversprechend“, so Linimeier. „Bei Krebsarten wie Lungenkrebs oder Leukämie hat sich die Überlebenswahrscheinlichkeit deutlich erhöht.“

Wachstumspotenzial sieht er auch bei Unternehmen, die Medikamente gegen seltene Krankheiten entwickeln. Darunter versteht man Krankheiten, die in den USA bei 7,5 von 10.000 Einwohnern auftreten. In Europa liegt die Obergrenze bei nur 5 von 10.000 Einwohnern. Damit sich die teure Entwicklung für die Produzenten rechnet, profitieren sie in den USA und auch in Europa von Vorteilen wie vereinfachten und damit beschleunigten Zulassungsverfahren und der Gewähr einer Marktexklusivität von sieben sowie zehn Jahren. Muskelatrophie, im Volksmund Muskelschwund, ist eine dieser seltenen Krankheiten. Biogen erhielt in den USA Ende Dezember 2016 als erster Anbieter die Zulassung für ein neues Medikament. „Die Behandlung kostet pro Patient im ersten Jahr 750.000 und in den Folgejahren 375.000 US-Dollar“, so Fondsmanager Mario Linimeier.

Viele Krankheiten – wie auch die Muskelatrophie – werden vererbt, sie stecken also in den Genen. In der klassischen Gentherapie werden defekte Gene durch funktionsfähige ersetzt. BioMarin plant für ein Präparat zur Behandlung von Hämophilie (Bluterkrankheit) eine Zulassungsstudie; ein Präparat gegen Netzhautdystrophie, die unbehandelt zum Erblinden führt, ist bei Spark Therapeutics in der Entwicklung. Einen riesigen Schub erwartet Linimeier auch vom sogenannten Gene Editing: Gene werden nicht mehr ausgetauscht, sondern per „molekularer Schere“ repariert.

Gesundheit ins Depot

Anleger können vom Wachstum der Healthcare-Branche profitieren – per Aktie, ETF oder Fonds.

 NameWKNArt
1.Pfizer852009Pharma/USA
2.Novartis904278Pharma/Schweiz
3.AllerganA14U12Pharma/Irland
4.Amgen867900Med. Geräte/USA
5.Fresenius Medical Care578580Med. Geräte/D
 NameWKNAA reg./comdirect
1.Polar Capital Healthcare Opportunities FundA0M8VF5,0 %/3,75 %
2.Blackrock gl. Fds. World HealthscienceA0BL365,0 %/2,5 %
3.JPM Global Healthcare FundA0RPE05,0 %/3,75 %
4.Lyxor UCITS ETF MSCI World Health CareLYX0GMTop-Preis ETF
5.ComStage STOXX Europe 600 Health CareETF068Top-Preis ETF
Auswahl: Fonds Gesundheitsaktien mit mindestens vier Morningstar-Sternen, nach Fünf-Jahres-Wertentwicklung; ETFs Gesundheit: sparplanfähig und Top-Preis ETFs; Aktien: Top Five des Healthcare Opportunities Fund. Aktien, Fonds und ETFs unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die in ausländischer Währung notieren, bestehen zudem Währungsrisiken. Die Beschreibung der Wertpapiere stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Allein verbindliche Grundlage des Kaufes eines Fonds/ETF sind die derzeit gültigen Verkaufsunterlagen des Fonds/ETF („Wesentliche Anlegerinformationen“, Verkaufsprospekt sowie Jahres- und Halbjahresberichte, soweit veröffentlicht). Diese Unterlagen, die in deutscher und/oder englischer Sprache vorliegen, erhalten Sie auf der Wertpapier-Detailseite unter www.comdirect.de oder direkt beim Emittenten. Stand 28.06.2017; Quelle: comdirect.de

Risiken beachten

Innovationen schützen vor Preisdruck. Allerdings müssen Unternehmen und deren Aktionäre auch Rückschläge verkraften. So konnte ein als aussichtsreich geltender Wirkstoff gegen Alzheimer in einer späten Zulassungsphase nicht die erhoffte Wirkung erzielen – die Entwicklung wurde eingestellt. Auch in klinischen Studien zur Immunonkologie hat es Rückschläge gegeben. Ein Ende der Immuntherapie aber bedeutet das nicht. Vielmehr sind nun Wirkstoffe in der Entwicklung, mit denen das Immunsystem einfach an- oder ausgeschaltet werden kann, wenn sich Unverträglichkeiten zeigen.

Anleger können auch ohne Entwicklungsrisiken in der Gesundheitsbranche investieren. Stabile Erträge bieten zum Beispiel Krankenversicherer wie United Health (WKN 869561). „United Health hat mehr als 70 Millionen Kunden, arbeitet äußerst profitabel und bietet eine attraktive und kontinuierlich ansteigende Rendite“, so Finanzberater Heiko Aschoff, der mit Novo Nordisk (WKN A1XA8R) und Fresenius (WKN 578560) zwei weitere Gesundheitsaktien in seinem Strategiedepot hat.

Anleger, die keine Einzelwertrisiken tragen möchten, können breit gestreut per Fonds oder ETF in der Wachstumsbranche investieren. ETFs auf den MSCI World Health Care (Lyxor) (WKN LYX0GM) oder den Europe 600 Health Care (ComStage) (WKN ETF068) bieten kostengünstige Partizipation am Wachstum der Branche. Gute Fondsmanager allerdings haben durch geschickte Einzeltitelauswahl in den vergangenen Jahren bessere Ergebnisse für ihre Anleger erzielen können. Der Healthcare Opportunities Fund (WKN A0M8VF) setzt auf die Branchenschwergewichte. Unter den Top Ten im Fonds finden sich Konzerne wie Pfizer, Novartis, Allergan und Amgen, aber auch die deutsche Fresenius Medical Care.

Der von Linimeier und seinem Team gemanagte Fonds FCP OP Medical Bio-Health-Trends (WKN 941135) investiert dagegen vorwiegend in kleineren und mittleren Unternehmen aus dem Biotech- und Medizintechniksektor. Unter den Top Ten im Fonds sind Unternehmen wie Array BioPharma, Incyte und Seattle Genetics, aber auch Syneron Medical, ein Anbieter ästhetischer Medizin. „Kleine und mittlere Unternehmen sind die Innovationstreiber und bergen höheres Wachstumspotenzial“, sagt Linimeier. Große und liquide Konzerne wie Bayer werden „als Stabilitätsanker“ beigemischt.

Ausgaben für Gesundheit pro Kopf in US-Dollar
Quellen: WHO, Destatis, Statistisches Jahrbuch 2016; Stand 2014

USA vorne
Ausgaben für Gesundheit pro Kopf in US-Dollar.

Rückenwind durch Trumps Steuerreform?

Der Gesundheitsmarkt ist in Bewegung. „Junge Start-ups drängen mit neuen Geschäftsmodellen in den Markt, und gleichzeitig wird kräftig investiert“, sagt Thilo Kaltenbach, Partner bei Roland Berger. Übernahmen könnten die Kurse beflügeln. Da viele Patente auslaufen, sind die Unternehmen der Branche in Kauflaune und bereit, für Innovationen hohe Aufschläge auf den Börsenkurs zu zahlen.

Bei der Finanzierung könnte Donald Trump helfen. Rund 100 Milliarden US-Dollar haben die großen US-Pharmakonzerne im Ausland geparkt. „Die angekündigte US-Steuerreform könnte dazu führen, dass sie das Geld in die USA transferieren und in Käufe von Biotech-Unternehmen stecken“, erläutert Fachmann Mario Linimeier.