USA
Top oder Flop?

Drei Monate ist Donald Trump nun im Amt. Das Fazit: Berechenbar ist er nicht. Worauf müssen sich Anleger einstellen?

Was hat er nicht alles angekündigt. Mit dem Wahlkampf-Slogan „America first“ schaffte Donald Trump wider allen Prognosen den Sprung ins Weiße Haus. Und startete seine Amtszeit nach dem Motto: „Nicht kleckern, sondern klotzen.“ Ein Dekret nach dem anderen hat der 45. Präsident in Windeseile unterschrieben. Geblieben ist von seinen Vorhaben drei Monate nach seiner Amtseinführung kaum mehr als nichts. Einreisestopp für Menschen aus sieben muslimisch geprägten Staaten? Haben die Gerichte kassiert. Abschaffung der Gesundheitsreform Obamacare? Passierte nicht einmal den Kongress, in dem Trumps republikanische Partei sogar über eine Mehrheit verfügt. Mauerbau zu Mexiko? Auf Eis gelegt. Stattdessen militärische Interventionen in Syrien und Afghanistan sowie Truppenverlegungen in Richtung Nordkorea, obwohl Trump im Wahlkampf angekündigt hatte, sich aus internationalen Konflikten weitgehend rauszuhalten.

Innenpolitisch hat Trump bereits einige Dämpfer hinnehmen müssen. „Er ist in der Realität des verminten Washingtoner Politikbetriebes angekommen“, urteilt Bert Flossbach, Vorstand der Flossbach von Storch AG und Manager des flexiblen Mischfonds FvS Multiple Opportunities (WKN A0M430). Nach dem Scheitern der Reform des US-Krankenversicherungssystems müsse er nun um eine nicht minder komplexe Steuerreform kämpfen. Die aber hätten Analysten bereits für 2018 eingepreist. „Ob und wann die Steuerreform kommt und wie sie ausgestaltet ist, dürfte die Märkte in den nächsten Monaten noch intensiv beschäftigen“, ist Flossbach überzeugt.

Drohen Rückschläge?

„Trump muss nun liefern“, sagt auch Winfried Walter, Vorstand der Schneider, Walter und Kollegen Vermögensverwaltung AG. Falls weder Steuerreform noch Infrastrukturmaßnahmen bis Sommer auf den Weg gebracht seien, befürchtet der Kölner Vermögensverwalter, der den Fonds Gutmann Global Equity Value Select (WKN A0J3GE) managt, einen Rückschlag um 10 % bis 15 % an den Börsen. „Was mir nicht gefällt, ist, dass die Aufwärtsbewegung an den US-Börsen von Euphorie begleitet ist“, so Walter. Investoren spekulierten nach seiner Einschätzung darauf, dass Trump die Wirtschaft ähnlich wie Ronald Reagan während seiner Präsidentschaft in den 1980er-Jahren auf Trab bringen werde. „Aber die Vorzeichen waren damals völlig anders“, erklärt Walter. „Reagan konnte gleich an vielen Schrauben drehen – Zinsen und Steuern waren hoch, die Staatsverschuldung niedrig und die Aktienmärkte günstig bewertet. Trump dagegen startet im Umfeld steigender Zinsen, hoher Staatsverschuldung und teurer Aktien.“

Bisher sind US-Unternehmen und Konsumenten optimistisch – die Konsumlaune in den USA ist so gut wie zuletzt im Jahr 2000. Das Scheitern der Gesundheitsreform aber dürfte Zweifel an der politischen Handlungsfähigkeit von Donald Trump aufkommen lassen, glaubt Klaus Bauknecht, Chefvolkswirt der IKB Deutsche Industriebank AG. Die Börsen seien vor allem aufgrund von Erwartungen auf Niveaus angestiegen, die eine deutlich bessere Konjunkturentwicklung benötigten, als sie aktuell in den USA zu finden sei, so der Ökonom. „Dies unterstreicht die Bedeutung der anstehenden Steuerreformen und erhöht das aktuelle Prognoserisiko für das BIP der USA, insbesondere für die Jahre 2018 und 2019.“

Fundamentaldaten beachten

Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank, sieht die Entwicklung gelassen. „Steuerreform und Infrastruktur-Investments, also die Maßnahmen, die positive Effekte bringen sollten, werden zwar nicht wie angekündigt kommen, weil der Kongress sich querstellt“, ist er überzeugt. Aber auch Negativeffekte durch Handelsbarrieren seien derzeit nicht zu erwarten. „Der Kongress wird Trumps Handelsbarrieren Steine in den Weg legen. Die Republikaner wissen, dass sie damit die eigene Exportwirtschaft schwächen würden“, so Halver, der empfiehlt, den Blick grundsätzlich wieder stärker auf Fundamentaldaten zu lenken. So kletterten die Auftragseingänge der US-Industrie im März zum dritten Mal in Folge – mit einem Plus von 7,3 % zum Vorjahr stiegen sie so stark, wie zuletzt im Juli 2014. Auch seien Gewinnsteigerungen bei den Unternehmen zu erwarten. Eine Blase am Aktienmarkt sieht der Kapitalmarktstratege im andauernden Niedrigzinsumfeld nicht. „Es gibt keine großen Anlagealternativen – wo sollen Investoren denn mit ihrem Geld hin?“

Robust aufstellen

Sorge bereitet indes der Konflikt mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un, der sein Atom- und Interkontinentalraketen-Programm ausbaut und der Welt mit Krieg droht, sollten die USA intervenieren. Donald Trump hat angekündigt, dass er „das Problem lösen“ wolle. Dabei setzt er auf die abschreckende Wirkung von Militärpräsenz in der Region, aber auch auf China, den letzten Verbündeten Nordkoreas. Im Gegenzug bot er den Chinesen an, ihnen in Sachen Handelsbarrieren entgegenzukommen.

Politische Börsen haben kurze Beine – Bert Flossbach jedenfalls rät Anlegern, das „Politikorakel“ nicht überzustrapazieren. „Eine Anlagestrategie sollte so robust sein, dass auch unerwartete Entwicklungen nicht zu nachhaltigen Vermögensverlusten führen“, so der Vermögensverwalter. Neben Aktien erstklassiger Unternehmen, ausgewählten Anleihen und Gold empfiehlt er Anlegern, ausreichend Liquidität zu halten. In seinem Fonds Multiple Opportunities (WKN A0M430) hält er aktuell sogar knapp 24 % Kasse.

Aktien und Fonds unterliegen Kursschwankungen. Damit sind Kursverluste möglich. Bei Papieren, die in ausländischer Währung gehandelt werden, besteht zudem ein Währungsrisiko. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Allein verbindliche Grundlage des Kaufs eines Fonds oder eines ETFs sind die derzeit gültigen Verkaufsunterlagen des Fonds („Wesentliche Anlegerinformationen“, Verkaufsprospekt sowie Jahres- und Halbjahresberichte, soweit veröffentlicht). Diese Unterlagen, die in deutscher/englischer Sprache vorliegen, erhalten Sie auf der Wertpapier-Detailseite unter www.comdirect.de oder direkt beim Emittenten. Die Beschreibung der Wertpapiere stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Stand: 26.04.2017; Quelle: comdirect.de

compass_community-link