Belegschaftsaktien

Belegschaftsaktien haben in Deutschland eine lange Tradition. Sie werden an Mitarbeiter einer Aktiengesellschaft ausgegeben, um deren Interesse und Teilhabe am Unternehmen zu fördern und sie stärker an das Unternehmen zu binden. Belegschaftsaktien stellen die direkteste Form der Beteiligung von Arbeitnehmern am Produktivvermögen dar. Denn via Aktie sind sie als Miteigentümer nicht nur am Erfolg des Unternehmens, sondern auch am unternehmerischen Risiko beteiligt.

Besondere Bedingungen

Belegschaftsaktien stammen meist aus Kapitalerhöhungen oder werden zu diesem Zweck von der AG an der Börse gekauft. Die Mitarbeiter erhalten die Papiere zu Sonderkonditionen, zuweilen sogar umsonst. Im Gegenzug müssen sie eine Sperrfrist einhalten (meist fünf Jahre), in der sie die Aktien nicht verkaufen dürfen. Nach Ablauf dieser Sperrfrist können die Wertpapiere dann ohne Einschränkungen verkauft werden. Trotz der Sonderkonditionen beim Erwerb der Wertpapiere besitzen die Belegschaftsaktionäre die gleichen Rechte wie jeder andere Aktionär. Sie sind bei Hauptversammlungen stimmberechtigt und erhalten die volle Dividende. Bei Einhaltung mehrerer Kriterien (u. a. Haltefristen) sind Belegschaftsaktien zudem steuerlich begünstigt.

Hohe Gewinne möglich

Aktiengesellschaften können ihre Angebote zum Bezug von Belegschaftsaktien flexibel gestalten. Zuweilen erhalten sie nur bestimmte Führungskräfte, meist jedoch alle Mitarbeiter. Die Bezahlung kann durch Entgeltumwandlung, Verrechnung von vermögenswirksamen Leistungen, Einmal- oder Ratenzahlung erfolgen. In Deutschland gibt es aktuell mehr als eine Million Belegschaftsaktionäre. Die Beteiligung am eigenen Unternehmen kann sich in Zeiten starker Aktienmärkte massiv auszahlen. Einen besonders hohen Gewinn erzielten etwa Belegschaftsaktionäre der Mannesmann AG. In den 80er-Jahren durften sie bei einem damaligen Aktienpreis von umgerechnet 100 Euro Papiere zum rund halben Preis erwerben. Diese Aktien waren nach einem Split und der Übernahmeschlacht Vodafone/Mannesmann nach der Jahrtausendwende in der Spitze etwa 3.000 Euro wert – das Sechzigfache des günstigsten Kaufpreises.