Aktienanleihe

Aktienanleihen sind bei vielen Anlegern beliebt. Insbesondere bei stagnierenden Aktienmärkten werfen sie überdurchschnittliche Gewinne ab. Allerdings haben sie mit klassischen Rentenpapieren wie Bundesanleihen wenig zu tun. Denn wenn es an den Aktienmärkten abwärts geht, drohen auch bei den Aktienanleihen Verluste. Dieses Risiko und die genaue Funktionsweise der Papiere sollten Anleger kennen.

Die Konstruktion

Aktienanleihen haben zwei Seiten: Auf der einen Seite erhalten Anleger wie bei festverzinslichen Wertpapieren Zinseinnahmen. Im Vergleich zu klassischen Bonds liegen die Zinsen höher. Statt aktuell 1 oder 2 % liegen die Zinskupons pro Jahr meist bei 5 bis 10 %. Diese Zinszahlungen sind durch den Emittenten garantiert. Der Haken: Im Gegenzug hat der Emittent das Recht, statt des Kapitals am Laufzeitende eine festgelegte Anzahl von Aktien eines zuvor bestimmten Unternehmens zu liefern. Diese Möglichkeit nutzt er, wenn der Kurs der zugrunde liegenden Aktie (der sogenannte Basiswert) unter den sogenannten Schwellenpreis gesunken ist. Dieser Schwellenpreis liegt oft um 15 bis 25 % unter dem Preis der Aktie bei Auflage der Aktienanleihe.

Die Vorteile

Aktienanleihen lohnen sich insbesondere bei annähernd stagnierenden Kursen. Denn dann peppen die hohen Zinsen die Renditen auf. Bei fallenden Kursen wirken die Zinsen gegenüber der Direktanlage zwar wie ein Airbag. Allerdings werden die Verluste nur gemildert. Sie können dennoch sehr deutlich ausfallen (siehe Tabelle).

Aktienanleihen erlauben außerdem diversifizierte Strategien. Sicherheitsbewusste Anleger wählen Papiere, bei denen der Basiswert weit über dem Schwellenpreis liegt. So ist es wenig wahrscheinlich (aber nicht garantiert), dass am Laufzeitende Aktien angedient werden. Chancenorientiertere Anleger wählen eher Papiere mit geringerem Puffer. Die höheren Zinsen bergen dann aber auch ein höheres Verlustrisiko. Sehr spekulativ orientierte Anleger kaufen Papiere, bei denen der Basiswert während der Laufzeit der Aktienanleihe schon unter dem Schwellenpreis liegt. Denn dann können neben den Zinsgewinnen auch Kursgewinne erzielt werden, falls sich der Basiswert bis zum Laufzeitende wieder erholt.

Die Nachteile

Die Gewinne bei Aktienanleihen sind begrenzt. Wegen des allgemein sehr niedrigen Zinsniveaus liegen die Kupons bei schwankungsarmen Aktien und niedrigen Basispreisen zurzeit manchmal unter 5 %. Vor allem haben Anleger ein Aktienrisiko, profitieren jedoch nicht von Kurssteigerungen des Basiswertes. Im Gegenzug sind die möglichen Verluste nahezu unbegrenzt. In den vergangenen Jahren wurden zwar bei der positiven Marktentwicklung fast alle Aktienanleihen zum Einstandspreis zurückgezahlt. Nach der Jahrtausendwende oder in der Finanzkrise verloren Anleger jedoch selbst mit Aktienanleihen auf vermeintlich stabile DAX-Werte einen großen Teil ihres eingesetzten Kapitals.

Tabelle: So rentiert eine Aktienanleihe im Vergleich zur Direktanlage

Wann lohnt sich der Kauf einer Aktienanleihe? Das wird am besten deutlich bei einem Vergleich einer Aktienanleihe mit der Direktanlage. Dazu ein einfaches Beispiel: Aktie X notiert bei 10 Euro. Das Emissionshaus Y emittiert eine Aktienanleihe über 1.000 Euro mit einjähriger Laufzeit, einem Kupon von 10 % und einem Sicherheitspuffer von 20 % (Schwellenpreis 8 Euro). Das heißt: Das Emissionshaus wird am Ende der Laufzeit neben den garantierten 10 % Zinsen statt 1.000 Euro 125 Aktien der Aktie X zurückzahlen, wenn die Aktie am Laufzeitende unter der Marke von 8 Euro notiert. Bei verschiedenen Kursständen am Ende der Laufzeit ergeben sich folgende Renditen der Aktienanleihe im Vergleich zum Direktkauf der Aktie:

Aktienkurs am Laufzeitende Auszahlung AAGewinn/Verlust in % AAWert bei Direktkauf der Aktie
Gewinn/Verlust Aktie
5725 (625+100)- 27,5500-50
6850 (750+100)- 15600-40
7975 (875+100)-2,5700-30
81.100 (1.000+100)+10800-20
91.100 (1.000+100)+10900-10
101.100 (1.000+100)+101.000+-0
111.100 (1.000+100)+101.100+10
121.100 (1.000+100)+101.200+20
131.100 (1.000+100)+101.300+30
141.100 (1.000+100)+101.400+40
151.100 (1.000+100)+101.500+50

Fazit: Bei deutlichen Kursverlusten verliert auch der Käufer von Aktienanleihen, allerdings weniger als beim Direktkauf der Aktie. Bei leichten Kursverlusten der Aktie bis 20 % schneidet er deutlich besser ab als der Direktanleger. Ab einer Kurssteigerung der Aktie von mehr als 10 % hätte sich die Direktinvestition gelohnt.

Aktienanleihen unterliegen Kursschwankungen. Damit sind Kursverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Zudem besteht ein Emittentenrisiko. Bei Zahlungsunfähigkeit des Emittenten können Verluste bis hin zum Totalverlust eintreten. Die Beschreibung der Wertpapiere stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Stand: 21.06.2016, Quelle: comdirect.de