Meinungsbild
Stimmen zum Brexit

Jörg Krämer, Chefvolkswirt Commerzbank

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„Die Briten haben mit überraschend deutlicher Mehrheit für einen Austritt aus der EU gestimmt. Die Märkte haben heftig, aber bisher nicht panisch reagiert. Mittelfristig könnten sie sich erholen, wenn sich – wie von uns erwartet – allmählich eine saubere Scheidung mit einem Verbleib Großbritanniens im Binnenmarkt abzeichnet. Die negativen realwirtschaftlichen Folgen für Großbritannien werden geringer sein als bei zurückliegenden Krisen. Im Übrigen kommt auch die EU nicht ungeschoren davon, weil der Brexit EU-kritische Parteien in den kontinentaleuropäischen Ländern weiter stärken wird.“

Jörg Krämer,

Chefvolkswirt Commerzbank

Oliver Postler, Chief Investment Officer HVB

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„Die Würfel sind gefallen. Ein emotional ausgetragener Wahlkampf ist zu Ende gegangen. Verlierer gibt es überall. Gewinner dürfte es kaum geben. Was bleibt, ist ein politisches und wirtschaftliches Desaster. Ab jetzt beginnt eine Phase der Unsicherheit, die die Wirtschaft Großbritanniens stark belastet, aber auch auf Kontinentaleuropa ausstrahlt. Die EZB wird eingreifen, falls es notwendig werden sollte, um das Schlimmste zu verhindern. Die Politik muss sich jetzt rasch zusammensetzen, um eine koordinierte Vorgehensweise zu erarbeiten.“

Oliver Postler,

Chief Investment Officer HVB

Ritu Vohora, Investment Director im Aktienteam bei M&G Investments

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„Die Märkte werden über die kommenden Tage und Wochen hinweg die politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten nach diesem Ergebnis verarbeiten, was zu einer Steigerung der Aktienrisikoprämie führen dürfte. Andererseits weisen Broker darauf hin, dass in den letzten Monaten große Cash-Positionen aufgebaut wurden. Diese werden aller Voraussicht nach wieder investiert werden, wenn die Märkte sich wieder beruhigen.“

Ritu Vohora,

Investment Director im Aktienteam bei M&G Investments

Harald Preißler, Chefvolkswirt und Leiter Anlagemanagement bei Bantleon

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„Knapp 52% der Briten stimmten für den Austritt – das kann man mit Fug und Recht einen gewaltigen Schock nennen. Die viel wichtigere Frage lautet indes: Wie könnte es weitergehen? Droht nun ein »Lehman-Momentum« wie im Herbst 2008, als nach und nach die gesamte Weltwirtschaft in den Abgrund gezogen wurde?
Um es kurz zu sagen: Nein, der Brexit mag eine gewaltige Überraschung sein, ein trauriger Tag für Europa, ein historisches Ereignis, eine schallende Ohrfeige für die EU – aber er stellt keinen Weltuntergang dar!“

Harald Preißler,

Chefvolkswirt und Leiter Anlagemanagement bei Bantleon

Götz Albert, Head of Portfolio Management Small & Mid Caps, Lupus alpha

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„Das Votum ist schlecht für Europa und noch schlechter für Großbritannien. Auch der deutsche Mittelstand ist betroffen, aber weniger stark, als kurzfristig gedacht. Die hohe Anpassungsstärke international aufgestellter Mittelständler ist der stärkste Schutzschild gegen negative Folgen des Brexit-Votums. Viele Mittelständler sind international aufgestellt und haben in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, dass sie das Wegbrechen ganzer Märkte relativ schnell auffangen können. Beispielsweise in der Griechenlandkrise oder bei den Sanktionen gegen Russland.“

Götz Albert,

Head of Portfolio Management Small & Mid Caps, Lupus alpha

Bo Bejstrup Christensen, Chefanalyst von Danske Invest

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„Wenn wir seit der Krise 2008/2009 eine Sache gelernt haben, dann die, dass politische Unsicherheit dem Wirtschaftswachstum schadet. Die Konsequenzen für die Wirtschaft sind klar: Die Unternehmen blicken in eine unsichere Zukunft und sind daher weniger gewillt, in Maschinen und neues Personal zu investieren. Die Folge ist ein schwächeres Wachstum. Und im schlimmsten Fall eine Rezession. Das gilt auch für Großbritannien und vermutlich das restliche Europa, wo eine leichte Rezession nun das wahrscheinlichste Szenario ist.“

Bo Bejstrup Christensen,

Chefanalyst von Danske Invest